Ducati Hypermotard

Die Italiener putzen ihre Designikone neu heraus.
ducati hypermotard 2013

Ducati Hypermotard – Alles beim alten und doch alles neu

Eine Designikone zu erneuern ist gewiss nicht einfach, bei der neuen Hypermotard ist es aber eindeutig gelungen: Die Front geschärft, das Heck gestutzt und dazwischen ein High-Tech-Feuerwerk der Extraklasse. Nicht einmal auf exklusive Features wie Ride by Wire-System, ABS und Traktionskontrolle muss man nun verzichten.
 
Manche Motorradjournalisten meinen, man könne eine Maschine eigentlich nur richtig austesten, wenn die Fahrbahnzustände schlecht sind, am besten kalt und nass. Ich nicht. Am liebsten fahre ich bei schönstem Wetter auf pechschwarzem Asphalt in gut einsehbare Kurven. Denn so kann ich am besten ausloten, ob die Maschine auch wirklich gut anschiebt, gut liegt und ordentlich Spaß macht. Ja klar, es interessiert natürlich auch mich, wie gut oder schlecht sich das Ding auf kaltem Asphalt bei minderwertigem Wetter und auf argen Buckelpisten benimmt – wirklich traurig bin ich aber nicht, wenn Wetter und Straße in Richtung Optimum tendieren. Mit der Präsentation der brandneuen Hypermotard im spanischen Ronda trat nun sogar der seltene Fall ein, sowohl schönes Wetter und griffigen Asphalt als auch Regen bei eisiger Kälte „genießen“ zu dürfen. Wenigstens begannen wir mit den widrigen Verhältnissen und beendeten den Tag mit einer deftigen Ausfahrt im kurvigen Umland bei Sonnenschein und (fast) trockenen Straßen – das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. ducati hypermotard

Agil und stabil
Allerdings benimmt sich die neue Hyper bereits auf nasser Fahrbahn tadellos, zickt nicht herum und lässt sich spielerisch bedienen. Da kommt ihr natürlich auch die aufrechte Sitzposition zugute, wie bei der Vorgängerin sehr Supermoto-orientiert hoch und nahe am Vorderrad, was ihr wiederum in Kombination mit dem breiten Lenker ein sehr aktives Fahrgefühl und ein sportliches Handling ermöglicht. Lediglich in ganz engen Ecken verlangt sie ein wenig Nachdruck, die ansonsten stark ausgeprägte Agilität geht aber glücklicherweise nicht auf Kosten der Stabilität. In schnellen Kurven liegt die Hypermotard überraschend satt auf der Straße, da bewegt sich im Gitterrohr-Skelett nichts, was sich nicht bewegen sollte.

Drehorgel statt Dampfhammer
Völlig neu ist der Motor, erstmals gibt es auf einer Hypermotard ein modernes Testastretta-Triebwerk mit Vierventil-Technik und Wasserkühlung. Geblieben ist die typische 90^-Bauweise und der herrlich bollernde Sound mit Ganslhaut-Effekt. Aus nunmehr 821 Kubik generiert der Motor ordentliche 110 PS bei 9250 Umdrehungen, das maximale Drehmoment beziffert Ducati mit 91 Newtonmeter bei 7750 Touren. Untermotorisiert ist man damit definitiv nicht, wenn auch der arge Punch der Vogängerin mit ihrem luftgekühlten Zweiventil-1100er-Motor im unteren und mittleren Drehzahlbereich etwas fehlt. Dafür ist die Gasannahme des Ride by Wire Systems sehr direkt und wer die neue Hypermotard bis zum Begrenzer bei rund 10.500 Touren auswindet, kommt durchaus auf seine sportlichen Kosten.
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Wie gewohnt eine brachiale Bremsanlage
Dazu passt auch ganz hervorragend die kräftige Bremsanlage, die beiden 320er Scheiben an der Front werden heftig von Brembo-Vierkolben-Monobloc-Zangen gebissen. Damit kann man vor allem brachial verzögern, die Anlage ist aber auch so präzise, dass man sie hervorragend dosieren kann und sich nicht über ungewollte Stoppies ärgern muss. Diese würden aber ohnehin vom serienmäßigen ABS verhindert. Die Stotterbremse kann in drei Stufen verstellt werden und zeichnet sich vor allem durch Unauffälligkeit aus – sie macht sich jedenfalls niemals durch nervige Regelvorgänge wichtig. Die Möglichkeit, das System abzuschalten muss daher selbst bei sehr sportlicher Fahrweise nicht genutzt werden.

SP-Version mit noch mehr Schärfe
Apropos sportliche Fahrweise: Die Fahrwerksabstimmung kann schon bei der normalen Hypermotard als sehr gelungener Kompromiss aus viel Sport und ausreichend Komfort bezeichnet werden, bei der noch edleren Hypermotard SP verschiebt sich alles noch mehr in Richtung Sport – dank der fetten, voll verstellbaren 50-Millimeter-Marzocchi-Gabel und dem schwedischen Gold im Heck – in Form eines voll verstellbaren Öhlins-Federbeins. Um den enormen Preisunterschied zur normalen Hypermotard nicht nur durch das bessere Fahrwerk rechtfertigen zu müssen, bekommt die SP außerdem Kotflügel, Zahnriemenabdeckung und Windschild aus Carbon, einen Radial-Hauptbremszylinder, einen konisch geformten Alu-Lenker, geschmiedete Marchesini-Aluminiumfelgen im Design des Superbikes 1199 Panigale, Pirelli Supercorsa SP-Reifen und nicht zuletzt die wirklich viel schärfere und ansprechendere Lackierung.
ducati hypermotard ducati hypermotard
Gutes Design noch besser
Das Design ist überhaupt wieder äußerst gelungen, die extravagante Hypermotard, die vor sechs Jahren erstmals präsentiert wurde, zu modernisieren war gewiss keine leichte Aufgabe – wie macht man etwas einzigartiges noch einzigartiger? Nun, man glättet und schärft die Front, minimiert die Seitenverkleidung noch weiter und verbaut ein herrlich schlankes Heck, das voll und ganz dem aktuellen Zeitgeist entspricht. Dass die Heckpartie nun wirklich viel luftiger, leichter und fescher wurde, liegt natürlich vor allem daran, dass die beiden wuchtigen Endtöpfe der Vorgängerin zu einem seitlich montierten Einzelendtopf wurden. Wer die hoch verlegten Endtöpfe vermisst, wird ansatzweise mit der rechtsseitig montierten Termignoni-Tuninganlage im Motocross-Style versöhnt – gegen Aufpreis natürlich. Wer die unpraktische Spiegelposition an den Lenkerenden vermisst, wird hingegen nicht versöhnt, die neue Hypermotard hat ganz normale Rückspiegel, die zwar an den jeweiligen Außenseiten unlogisch schmäler werden, aber ich freue mich ja schon, dass die Designer endlich von diesem unzumutbaren Design-Schmäh abgekommen sind, der die Maschine im Stadtverkehr völlig unbrauchbar machte..

Elektronik-Feuerwerk für die Sicherheit
Ganz groß geschrieben wird nun auch bei Ducati die Sicherheit. Beiden Versionen gemein ist das sogenannte DSP (Ducati Safety Pack), das aus dem bereits erwähnten ABS und der Traktionskontrolle DTC (Ducati Traction Control) besteht. Das ABS lässt sich in zwei Stufen (auf der SP in drei Stufen) verstellen: auf der normalen Hypermotard werkt die Stufe 2 sehr sensibel mit voller Hinterrad-Abhebe-Unterdrückung, Stufe 1 mit eher freizügiger Abstimmung und geringer Hinterrad-Abhebe-Unterdrückung. Um der Hypermotard SP auch in dieser Disziplin eine noch sportlichere Note einzuhauchen, gibt es bei ihr noch eine weitere Stufe, bei der das ABS nur am Vorderrad wirkt – mit dem Hinterrad können also ganz leicht Slides eingeleitet werden. Die Traktionskontrolle kann gar in acht Stufen justiert werden und auch hier hält die höchste Stufe 8 die Hypermotard so im Zaum, dass selbst motorisch gestörte Piloten ungeniert den Gasgriff drehen können, während Stufe 1 die volle Action zulässt. Das System funktioniert auch wirklich gut und wer sich nun schon darüber mokiert, dass er mit diesen vielen Verstellmöglichkeiten nur unnötig Arbeit aufgehalst bekommt, kann sich wieder beruhigen. Es gibt auf der neuen Hypermotard nämlich auch drei vordefinierte Mappings, die ebenfalls ganz leicht am Lenker verstellt werden können.
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Drei vordefinierte Modi zur leichteren Bedienung
Die Namen der Mappings sagen auch schon alles, im Urban-Modus ist das System auf den Stadtbetrieb ausgelegt, das ABS werkt sensibel in Stufe 3, die Traktionskontrolle in Stufe 6 und die Leistung wird auf verträgliche 75 PS zurück genommen. Touring kann als goldene Mitte betrachtet werden, ABS auf Stufe 2, DTC auf Stufe 4. Im Sport-Modus wechselt das ABS schließlich in Stufe 1, während die Traktionskontrolle auf Stufe 3 mehr Schlupf und Spaß zulässt. Bei der SP-Variante ist natürlich alles wieder etwas anders ausgelegt, der Urban-Modus beginnt mit Stufe 7, Touring springt dann gleich auf Stufe 3 und Sport wechselt in Stufe 2. Die Frage, ob man ABS und Traktionskontrolle auf der Hypermotard überhaupt braucht oder will, stellt sich erst gar nicht, das Ducati Safety Pack ist immer serienmäßig mit dabei. Sowohl ABS als auch die Traktionskontrolle lassen sich aber vollständig deaktivieren.

Fazit
Insgesamt ist die neue Hypermotard eine gelungene Weiterentwicklung des eigenwilligen Konzepts. Abgesehen vom besseren Durchzug der Alten im unteren Drehzahlbereich kann die Neue so ziemlich alles besser: agileres Handling, bequemere Sitzposition, präzisere Bremsen mit unauffälliger ABS-Unterstützung und sogar eine verstellbare Traktionskontrolle ist serienmäßig dabei. Die zwar edlere aber auch viel teurere SP-Version mit Öhlins-Federbein,Carbon-Schmuck und sonstigen Tuning-Teilen macht zwar optisch und technisch mehr her, wer sie aber nicht vorrangig auf der Rennstrecke bewegt, wird auch mit der normalen Hypermotard viel Vergnügen haben.
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Text: 1000ps
Fotos:
Ducati

Bericht von vauli am 06.03.2013 Aufrufe: 32.282
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vauli