Triumph Tiger Sport

Die gelungene Fortsetzung der hochbeinigen Sportlerin
triumph tiger sport

Triumph Tiger Sport – mit der Kraft der drei Zylinder

Wenn sich akribische Ingenieure eine „kleine“ Überarbeitung vornehmen, kann es schon mal vorkommen, dass ein, in nahezu allen Teilen verbessertes Motorrad heraus kommt. Die neue Tiger Sport ist eindeutig als Fortsetzung der Tiger 1050 zu identifizieren, kann aber so ziemlich alles besser.
 
Tradition & Individualität
Triumph setzt auf Tradition, das ist kein großes Geheimnis. Ohne diese Tradition wären die Briten auch nicht so weit gekommen, immerhin sind die klassischen Bikes der Modellpalette ein wichtiges Rückgrat für Triumph. Die Engländer setzen aber auch auf Individualität, es finden sich zwar potente Dreizylinder-Motoren mittlerweile ebenso bei anderen Herstellern, die kann man aber an einer Hand abzählen.

Kontinuierliche Entwicklung
Ein ganz besonderes Modell im Sortiment der Engländer ist die Triumph Tiger, die seit 20 Jahren vor allem sportliche Enduro-Fans absprechen soll – und dies auch hervorragend tut. Musste das erste Modell ab 1993 noch mit 885 Kubik und vergleichsweise bescheidenen 85 PS auf Kundenfang gehen, wurde die zweite Tiger-Generation ab 1999 optisch kräftig überarbeitet und bekam sowohl eine Einspritzung als auch zwei PS mehr spendiert. Bereits zwei Jahre später wurde der Motor auf 955 Kubik vergrößert, der große Durchbruch kam aber schließlich 2007 mit der Tiger 1050, die mit ihren 115 PS die unangefochtene Sportlerin des Segments darstellte. Nicht zuletzt auch wegen ihrer kompromisslosen Bereifung: 17-Zöller vorne und hinten und am Hinterlauf gleich ein fetter 180er-Patschen machen unmissverständlich klar, dass selbst leichtes Gelände nicht mehr im Lastenheft standen. Schotterstraßen sind das äußerste, das sie unter ihre schicken Gussalufelgen nehmen möchte.
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Triumph Tiger Sport Actionfotos Triumph Tiger Sport Detailfotos Triumph Tiger Sport Stills & Studio


Mehr als 120 Verbesserungen an der neuen Tiger Sport
Solch ein wichtiges Modell lässt man bei Triumph nicht einfach sterben, auch wenn die Konkurrenz bereits vorbeigezogen ist und sogar im eigenen Haus mit der Tiger Explorer eine neuere Großenduro im Programm ist. Vielmehr gönnt man ihr eine ordentliche Überarbeitung, die sie wieder attraktiv macht. Damit sie nicht etwa der rustikaleren Tiger Explorer zu sehr auf den Pelz rückt, bekommt die Tiger Sport – Nomen est Omen – eine noch sportlichere Auslegung. Optisch geht das vor allem auf das Konto der wunderhübschen Einarmschwinge und der gestrafften, schärferen Verkleidung. Die neue Tiger Sport ist zwar eindeutig als Fortsetzung der Tiger 1050 zu erkennen, passt aber durch ihr schnittigeres Äußeres gleich viel besser ins Jahr 2013.

10 PS mehr Motorleistung
Zusätzlich wird auch gleich die Technik auf den neuesten Stand gebracht, das Dreizylinder-Triebwerk schöpft aus unverändert 1050 Kubik nun 125 PS bei 9400 Touren und bringt es auf ordentliche 104 Newtonmeter bei nur 4300 Umdrehungen. Im Fahrbetrieb spürt man die 10 PS Mehrleistung vor allem in der druckvollen Mitte mit dem typischen Dreizylinder-Durchzug, die den relativ früh bei 10.500 Touren einsetzenden Drehzahlbegrenzer verschmerzen lässt.
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Agiles Handling trifft Reisetauglichkeit
Auch das Fahrwerk passt bestens zum sportlichen Charakter des Triebwerks, zwar stellten die Triumph-Techniker wegen der schlechten Straßen und kalten Temperaturen bei den ersten Testfahrten sowohl die voll verstellbare 43-Millimeter-Showa-Upside-Down-Gabel als auch das hintere Showa-Federbein sehr weich ein, was auf die präzise, knackige Kurvenlage trotzdem keinen negativen Einfluss hatte. Einzig das etwas störrische Getriebe könnte etwas mehr Leichtgängigkeit vertragen, mit dem nötigen Nachdruck flutschen die sechs Gänge aber ganz passabel.

Ausgewogene Bremsanlage
Noch besser macht es allerdings die Bremsanlage, die mit den beiden 320er-Scheiben und den radial montierten Nissin-Vierkolbenzangen voll und ganz überzeugen kann. Sie reagiert kraftvoll aber nicht zu bissig und das ABS werkt mit so kurzen Regelintervallen, dass ich zumindest auf trockener Fahrbahn nichts von der Stotterhilfe spürte. Falls das ABS wider Erwarten aber doch jemanden stören sollte, kann es im umfangreichen Menü abgeschaltet werden.

Ein riesiger Haufen an praktischem Zubehör
Die Sitzposition entspricht ebenfalls diesem sportlich bequemen Charakter, man sitzt auf der Tiger Sport aufrecht, hat einen entspannten Kniewinkel und steuert die Maschine über den breiten Lenker in angenehmem Abstand – kann aber ganz flott in Angriffshaltung übergehen. In dieser Position bekommt man dann auch den besten Windschutz, denn die vergleichsweise flache Scheibe passt zwar bestens zum sportlichen Outfit der Tiger Sport, ab 150 km/h Reisegeschwindigkeit wird es aber anstrengend für die Nackenmuskulatur.
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Vom Heck entkoppeltes Case-System
Dafür gibt es wiederum ein gewohnt umfangreiches Zubehörprogramm, neben der höheren Tourenscheibe, Heizgriffen, Arrow-Schalldämpfer, Hauptständer, CNC-gefrästen Bremsflüssigkeitsbehältern, Handprotektoren, Motorschutzbügeln und Komfortsitzbank sind die Engländer besonders stolz auf das Gepäcksystem. Beim Aufsetzen des 55 Liter fassenden Topcase wird automatisch die integrierte 12-Volt-Steckdose aktiviert und die Seitenkoffer mit insgesamt 55,5 Liter Volumen werden durch ein ausgeklügeltes Pendelsystem stabilisiert.

Fazit
Insgesamt setzt die neue Tiger Sport also das Erfolgsrezept ihrer Vorgängerin Tiger 1050 fort, präsentiert sich optisch zwar modernisiert, bleibt ihrer Linie aber ganz und gar treu. Auch der Charakter des Triebwerks bleibt erhalten, die 10 Zusatz-PS fügen sich vor allem in der bulligen Mitte spürbar ein und der Motor verwöhnt damit nach wie vor durch seinen typischen Dreizylinder-Charme. Die betont sportliche Auslegung suggeriert nicht nur der Name, sondern auch die hübsche Einarmschwinge und das agile Handling, die Reisetauglichkeit ist dennoch ein wichtiges Thema, der Sattel ist bequem und wurde im Bereich des Beifahrers für erhöhten Komfort um 4 Zentimeter abgesenkt. Und das neue Koffersystem begeistert nicht nur mit ordentlicher Ladekapazität sondern auch durch ganz praktische Eigenheiten wie integrierte Steckdose und Pendelsystem – auf der Insel sind sie eben ein wenig anders als die anderen!
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Text: vauli
Fotos:
Triumph

Bericht von vauli am 25.02.2013 Aufrufe: 34.454
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