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kot |
Aprilia RSV4R Test |
16.12.2009 |
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Und sie bewegt sich doch. Die RSV4R fasziniert auf dem Fleckerlteppich von Estoril.
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Aprilia RSV4R |
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RSV Irre |
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In einer Zeit, in der die Großmächte der Motorradindustrie damit
beginnen, ihre Supersport-Jets mit Hightechrobotern auszustatten, die
den Piloten beim Beschleunigen, Bremsen und Manövrieren unterstützen
(oder umgekehrt) und niemand mehr Eier in der Hose braucht, weil mit
Bits & Bytes unterm Hintern bald jeder schnell fahren kann, erwacht die
ängstliche Sehnsucht nach dem Echten, dem Rohen und dem Unverfälschten.
Das hier ist für alle, die ihr Adrenalin lieber in den Blutkreislauf
pumpen, anstatt es im Datenkanal versickern zu lassen. |
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Adrenalin im Blutkreislauf statt im
Datenkanal |
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Die RSV4R mit feinen Teilen aus dem Zubehörprogramm.
Auf den Klang aus dem
Akrapovic wäre ich wirklich, wirklich neugierig. |
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Als ich das letzte Mal von seiner Durchlaucht voll der Gnaden auf eine
Supersportpräsentation geschickt wurde, stand eine 125er, die einer
600er täuschend ähnlich sah, in der Hotellobby. Im Zimmer habe ich dann
angesichts der Druckunterlagen zum Modell YZF125R auf dem Beistelltisch
verstanden, daß ich enttäuscht, erniedrigt und entehrt worden war. Beim
Betreten der Eingangshalle des Hotels in Lissabon traf es mich deshalb
wie ein Headbutt von Valujev. Fool me once, shame on you, fool me twice,
shame on me. Denn in der Lobby stand diesmal ein Motorrad, das eine
1000er sein sollte, aber einer 125er verblüffend ähnlich sah. Nur etwas
über zwei Meter lang, schmal, gedrungen und trotzdem nicht plump. |
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Beim letzten Supersport-Test stand eine 125er in der
Lobby. |
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Eine elegante Waffe, gezeichnet mit dem schärfsten Rapidographen
Italiens. Die "Mehr-Schein-als-Sein" Philosophie ist bei den 125er eine
bekannte und erfolgreiche Überlebenstrategie. Ich wurde unruhig. Hatten
Sie unter der halben Vollverkleidung, die den Rahmen wunderbar zur
Geltung kommen läßt, tatsächlich einen exakt 999.6 Kubikzentimeter
großen, flüssigkeitsgekühlten V4-Motor im 65° Zylinderwinkel versteckt? Wie
sollte dieses Etwas denn überhaupt mit einer Leistung von 180 PS bei
12.500 U/min. und einem Drehmoment von 115 Newtonmetern bei 10.000
U/min. zurecht kommen? Ist doch viel zu klein. Die richtige Frage war
allerdings: Wie sollten wir mit diesem komprimierten Wahnsinn
zurechtkommen? |
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Rewind. Als ich das letzte Mal auf einer RSV4 Präsentation war,
lieferte ich mir mit Zonko spannende Duelle. Ich lag eine Zeit lang
vorne, weil er eine schwarze versenkt hatte, aber mit Erfahrung, Ruhe
und der richtigen Portion Mut in entscheidenden Situationen konnte er
letztendlich das Billardturnier für sich entscheiden. Leider sollte ich
nicht die Möglichkeit bekommen, mich auf der Rennstrecke von Mugello für
diese Niederlage zu revanchieren. Denn während unsere Queues trotz enormer
Belastung (besonders nach vergebenen Chancen) ganz blieben, brachen in
mehreren RSV Motoren die Pleuel. Der Test für die erste Gruppe wurde
abgebrochen. Wir kamen nicht mal in die Nähe der Rennstrecke, dafür
entfernten wir uns den ganzen Abend nicht mehr von der Bar. Heimreise
nach dem Frühstück. |
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Harte Duelle: Zonko versenkte eine
schwarze. |
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Über drei Ecken hörte man was von Pre-Production-Models, einem neuen
Zulieferer und daß das alles nichts mit der Serie zu tun haben würde.
Auch beim neuen Termin verlor man kein Wort über irgendwelche Probleme,
die zwar zweifelsohne behoben wurden. Eine kurze Erklärung respektive
Entschuldigung hätten wir uns aber schon erwartet, schließlich sind
manche von uns innerhalb 36 Stunden insgesamt 20 Stunden an- und wieder
abgereist. Leider sind wir wie kleine Kinder, die man nach einer
g'sunden Watsch'n mit einer kleinen Süßigkeit sofort wieder glücklich
machen kann. Nur muss bei uns die Süßigkeit aus schönem Wetter, 180 PS
und der Rennstrecke von Estoril bestehen. War also halb so schlimm, das
alles. Immer wieder denke ich darüber nach, wie es sein muss, der ewige Zweite
zu sein. Dabei müßte ich nur in den Spiegel schauen. Während Nils sich
selbst die Ehre zuteil werden ließ, die Aprilia RSV4 Factory zu testen,
bin ich wiedermal zweite Wahl für die zweite Wahl. Das zweite R nämlich
in RSV4R steht nicht für Racing, sondern für Road. Gleiche Leistung,
gleicher 10 Kilo Rahmen und 5 Kilo Schwinge, gleiche Geometrie, sogar die gleichen
Bremsen werken an der Zivilversion. Der größte Unterschied liegt, wie
man das von Italienern gewohnt ist, im Fahrwerk. Dieses teilen sich Showa (43mm Upside-Down) und Sachs (Piggy Back Federbein), an der
Factory herrscht schwedische Einheit. So bringt die R dann auch
insgesamt 5 Kilo
mehr auf die Waage. Doch wenn sich die 180 Pferde nicht darüber
beschweren, tue ich es auch nicht. Pflegeleichter soll sie sein, die R,
besser geeignet für die Straße und den sportlich orientierten
'Normalfahrer', der hin- und wieder bei einem Trackday auf der
Rennstrecke vorbeischaut. Was die RSV auf dieser zu leisten im Stande
ist, galt es herauszufinden.
Die Italiener machten auch jetzt keine großen Worte und ehe ich mich
versah, saß ich auf einem Sitz hart wie ein Brett, unter mir ein
beängstigendes Bollern, neben mir ein Soletti-Leder. Mit Resch auf der
Strecke werden die Ziele bescheiden: Nur nicht überrunden lassen. Die
Haltung auf den ersten Metern überrascht. Man sitzt auf 845 cm relativ
hoch und befürchtet zunächst, die Handgelenke könnten stark belastet
werden. Dies ist aber nicht der Fall. Die Fahrerei ist entspannt,
dem Fahrer bleiben zusätzliche Anstrengungen erspart, die Handgelenke
müssen nur bei harten Bremsmanövern leiden. |
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3 Fahrmodi. Aber 180 PS muss man nehmen wie ein Mann. |
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Ob man auf diesem, unter anderem mit Max Biaggi entwickelten Motorrad
als Mensch mit einer Körpergröße über 1.80 m ausreichend Platz und
Bewegungsfreiheit hat, mögen Leute beurteilen, die größer sind als ich.
Ehrlich gesagt kann ich es mir nur schwer vorstellen. Es ist kaum zu
glauben, wie kompakt sich hier alles anfühlt. Auf Japanern hat man
mittlerweile das Gefühl, im Motorrad zu sitzen. Niedrige Sitzhöhe,
angenehme Lenkerhöhe, hoher Tank. Bei der Aprilia ist es genau
umgekehrt. Man sitzt wieder oben auf, die Tankverkleidung ist niedrig
(der richtige Tank befindet sich zwecks Massenzentralisierung unter dem
Sitz), man hat volle Aussicht auf das, was vorne ist. Und vorne ist
schnell vorbei, wenn das Ride-by-Wire System richtig bedient wird. Am
besten wir tun einfach so, als hätten wir übersehen, daß die Aprilia RSVR die
Kraft über ein Ride-by-Wire System
zwischen Fahrerhand und Gummischlapfen vermittelt, sonst funktioniert
das mit meiner Einleitung nicht mehr. Denn das ist schon das
einzige Helferlein, daß dich dabei unterstützt, die 180 PS aus dem 1000
Kubik großen V4 Aggregat irgendwie unter Kontrolle zu halten. Eigentlich
ist es nur dazu da, die 180 PS möglichst direkt und gesammelt verfügbar
auf den Hinterreifen zu prügeln. Die 3 Fahrmodi vergessen wir auch
gleich wieder. Rennstrecke, Straße, Regen. Wer sich auf die 180 PS
einläßt, der muß sie nehmen wie ein Mann. Was soll schon passieren, mit
2 schwimmenden 320er Scheiben, die von Brembo monoblocs gezangelt
werden. Wer das irgendwann einmal ausbremst, darf sich beschweren. |
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320 mm Scheiben, Brembo monoblocs.
Dem ist praktisch niemand würdig. |
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Eine 1000er Präsentation auf einer fremden Rennstrecke bedeutet im
Normalfall viel zu gutes, viel zu schnelles Material und viel zu viel
Angst. Man muß sich innert kürzester Zeit an eine neue Strecke und ein
neues Motorrad gewöhnen. Von der Leistung reden wir nicht, an die wird
man sich nie gewöhnen. Eines betonte Aprilia aber in der Präsentation am
Vortag ganz deutlich und dies scheint auch zu den wesentlichen Punkten
bei der RSV4R zu zählen. Man stellt sich als Fahrer irrsinnig schnell
auf das Fahrzeug ein. Die Eigenheiten des Motorrads - Geometrie,
Armaturen, Lenkverhalten, Leistungsabgabe - sind nur einen Moment lang
ungewohnt. Beim zweiten Turn nahm ich so selbstverständlich auf der RSV
Platz wie ich meinen Helm aufsetze. Kein Nachdenken, nachschenken! |
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Kein Nachdenken, nachschenken! |
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In Estoril sind Fahrzeug, Fahrer und Reifen auf mannigfaltige Weise
gefordert. Lange, leicht abschüssige Zielgerade mit einem Topspeed von
290 (Resch) und einer anschließenden Haarnadelkurve. Ich hatte auf den
letzten Metern vor der Bremszone dermaßen viel Angst, daß sich meine
Augen mit Tränen füllten, obwohl ich ja einen Helm trug. Meine Augen
haben sich sozusagen angemacht. Die RSV dagegen blieb cool, gelassen und
stabil. Eine knifflige Stelle, die ich so einfach mit anderen Geräten
nicht gemeistert hätte. Das nächste Thema ist der Fleckerlteppich am
Asphaltband. Ob eine dunkle Stelle aus Wasser oder nur aus schlechtem
Asphalt besteht, ist im Vorbeifahren nicht auszumachen. Ein Thema, bei
dem sogar abgebrühte Rennfahrer Vorsicht zeigen und uneitel
zurückstecken. Unfahrbare Stellen wie die Schraubenzieherkurve bergauf,
an der ich in den ersten Runden erst vorbeifuhr, bevor ich sie
erblickte, schmecken den Streckenverlauf bitter-süß ab. Sehr zu
empfehlen. Vor allem mit der RSV. Genug Power, um auf der Start-Ziel
nicht zu verhungern, äußerst gelenkig in engen Passagen und
Wechselkurven und zu jeder Zeit unter voller Kontrolle des Fahrers, dem
der Lenkungsdämpfer nicht selten in die Arme greift, wenn er sie
eigentlich verlieren würde.
Was vom Tage übrig bleibt ist Faszination. Sensationell der Sound,
spektakulär die Leistung, sagenhaft die Bremsen, selten der Anblick.
Würde ich mir in der Saison 2010 sofort in die Garage stellen. Mit dem
Stachelrochenheck unschlagbar in der Optik, mit der Agilität auch im
Winkelwerk. Für ein paar Dollar weniger als für die Factory ist man ganz
vorne dabei. Bleibt nur zu hoffen, dass Aprilia diese Faszination und Power auch bei den Serienmotorrädern unterbringt. Denn die ersten Factory Kunden dieses Jahres bekamen nicht die volle Prospektleistung serviert. Unsere deutschen Journalistenkollegen werden bestimmt messen und prüfen. Wir bleiben dran!
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Technische Daten Aprilia RSV4R |
| Motor |
Flüssigkeitsgekühlter 4-Zylinder, 65
Grad-V-Motor; Geregelter 3-Wege-Katalysator, Euro-3 |
| Hubraum |
999 ccm |
| Bohrung x Hub |
78,0 x 52,3 mm
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| Leistung |
132 kW (180 PS) bei 12.500 U/min |
| Drehmoment |
115 Nm bei 10.000 U/min.
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| Gemischaufbereitung |
elektronische Einspritzung, vier
Drosselklappen, zwei Einspritzdüsen je Zylinder;
längenverstellbare Ansaugtrichter. Ride-by-wire-Steuerung mit
Multi-Mapping (mehrere
Fahrprogramme) |
| Antrieb |
Kette |
| Federung vorne |
Upside-down-Gabel Showa, 43 mm,
Federvorspannung und Dämpfung (Zug-/Druck) voll einstellbar |
| Federung hinten |
In der Lagerung verstellbare
Aluminium-Schwinge mit Sachs Piggy Back Federbein, voll
einstellbar, progressives APS Umlenksystem |
| Reifen vo. |
120/70 ZR 17
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| Reifen hi. |
190/55 ZR 17
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| Bremsen vo. |
zwei Scheiben, 320 mm,
Brembo-Radial-Monobloczangen |
| Bremsen hi. |
Scheibe, 220 mm, Zweikolben-Zange |
| Länge |
2050 mm |
| Radstand |
1424 mm |
| Breite |
715 mm |
| Sitzhöhe |
- |
| Gewicht trocken |
184 kg |
| Tankinhalt |
17 l |
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Text: kot
Fotos: Aprilia |
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| 1000ps Data Recording |
Aprilia RSV4R Test |
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online seit : 261 Tagen |
gelesen: 26165 mal |
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| 1000ps Userbewertung für Bike: APRILIA RSV 4 R |
Optischer Eindruck: |
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Technischer Eindruck: |
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Gesamteindruck: |
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| Kaufkraft: |
ein Kauf heuer kommt für 15,08 % der Bewerter in Frage
ein Kauf später kommt für 42,06 % der Bewerter in Frage
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| 1000ps Userbewertung: Aprilia RSV4R Test von kot |
Photos: |
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Text: |
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