Große Motorräder, kleine Chips, riesen Wirkung. BMW, ABS, ESA, ASR, RDC,...
BMW K 1300 S / R
Zwei
bärenstarke Typen
Im Schlepptau einer
Ducati 998 R des Söldners auf einer weltbekannten, nordburgenländischen
Naturrennstrecke beginnt man sich zu fragen: Wann ist es genug, wann
zuviel? Das ABS geht dir zur Hand, wenn es gilt, vor der nächsten Biegung
den gesetzlichen und physikalischen Überfluß an Geschwindigkeit abzubauen.
Das ASR wiederum assistiert bei der Wiederaufnahme reduzierter km/h. Und
alles passiert unter der elektronischen Aufsicht des über einen Knopf
einstellbaren ESA Fahrwerks, das die gut 330 Kilogramm schwere
Mensch-Maschine in verdächtig ruhiger Weise auf Kurs hält. Modus: Sport.
Während der Söldner in einer analogen Welt aus Aluminium, Magnesium und Carbon mit Stahlseilen navigiert, versuche ich in der BMW Matrix Warnsignale
zu erkennen. Denn genug ist es meist erst, wenn es zuviel war. Totally wired
- total verkabelt, und trotzdem hilft der Kautschuk als altmodischer
Informationsleiter aus. Unter Druck und erhöhter Konzentration kommt die
Meldung von ganz unten, dass Grenzen in der digitalen Welt doch existieren.
Gummi schlägt Silizium. Man muß jedenfalls ein feines Gespür entwickeln, um
zu erkennen, wo die virtuelle Dominanz des Prozessors endet und Sir Newton
kurzen Prozess macht. Bleibt einem bei hoher Taktfrequenz sowieso nie
erspart, auch wenn sie ein Mikrochip angibt. So wird jeder meiner Befehle
und Entscheidungen analysiert, bewertet und, so wie es die aktuelle
Situation verlangt, interpretiert. Keine Frage, es sind die richtigen
Interpretationen, nur eben nicht mehr ganz meine. Keine Entmündigung, aber
Bevormundung. Diese mache ich mir natürlich zu nutze und teste, wie weit ich
bei meinen Erziehungsberechtigten gehen kann. Wie sich herausstellte, nicht
weit genug.
BMW K 1300 S / R Video
Eine BMW ist kein Wegwerfprodukt,
sondern ein Motorrad mit hohem Preis und stabilem Wert. Um eben
diesen Werterhalt sicher zu stellen, verfolgt man bei BMW eine
disziplinierte Preispolitik. Das Motorrad selbst unterstützt den
Fahrer zudem mit immer mehr Technik, die verhindert, daß das
Fahrzeug instabil wird, weggeworfen wird und seinen Wert doch noch
verliert.
Video: kot
Schnitt: KarolettaLambretta
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Faszinierend, wie sich der 190er Conti Sport ATTACK im Asphalt
verbeißt. Noch nie habe ich mit derart viel Selbstvertrauen Gas gegeben.
Die Anti-Schlupf-Regelung schiebt dich aus den Kurven, als würdest du aus
einer riesigen Zentrifuge geschleudert werden, Gangwechsel werden mittels
Schaltassistenten unter Volllast getätigt. Ein ganz neues Gefühl der
Beschleunigung, in dessen Nähe man sich bisher nur über Satellitenschüssel
oder Kabel-TV gewagt hatte, bei der MotoGP Übertragung. Nicht die selbe
Geschwindigkeit, aber das selbe Thema: Immer voll am Gas. Wer übrigens das
Kabel vom Stand weg maximal spannt, der wird enttäuscht werden. Sobald das
Vorderrad nach einem kurzen Hupfer wieder auf den Boden zurückgekehrt ist,
quittiert der Motor zunächst deinen Dienst, stottert sich dann einen ab und
kommt erst nach und nach in die Gänge. Hier ist man als Mensch der Maschine
überlegen, das Gefühl in der rechten Hand wird beim Motorradfahren also noch
für einige Zeit wesentlich bleiben.
Hört sich alles dramatischer an, als es ist. BMW ist nicht allein, wenn es darum geht, die immense Kraft moderner
Motorradmotoren unter Kontrolle zu bringen bzw. fahr- und nutzbar zu machen,
bei ihnen fällt es nur am stärksten auf - oder Kritiker schenken ihnen die
meiste Aufmerksamkeit. 175 Pferde in der K 1300 S und 173
in der unverkleideten R sind nichts für Wendy Leser. Müßten diese Horden
nicht zuerst durch einen langen, elektronischen Kanal wandern, würden sie
dem Zweirad-Jockey ein übergroßes Maß an Fahrkönnen, jede Menge Nerven und
letztendlich auch Leidensfähigkeit abverlangen. Nicht nur bei den Reifen
einer italienischen Marke lautet der Slogan "Power is nothing without
control". Und das heißt nicht allein, das Ultimum an Leistung auf die
Straße zu bringen und jedermann zugänglich zu machen. Für den Fahrer soll möglichst lange ein souveränes und
sorgenfreies Fahrvergnügen - im wahrsten Sinne des Wortes - sicher gestellt
werden. Man fühlt sich selbst bei Regen und schlechten Straßenverhältnissen
gut behütet, die Bedienung ist trotz der großen Masse (S: 254 kg, R: 243 kg,
beide fahrfertig) einfach, kommt einem deutlich entgegen und
erlaubt es bis zu einem gewissen Grad, mit wenig Bedacht mit der Materie
umzugehen.
Ob man nun zur S oder zur R greift, ist eine Frage des
Einsatzzwecks. Welche Farbe man wählt, bleibt Geschmackssacke. Doch auf
keinen Fall sollte man auf die elektronischen Mainzelmännchen verzichten.
ABS ist eigentlich Pflicht, abschaltbar ist es sowieso. Selbiges gilt für
die Anti-Schlupf-Regelung, für die es ebenfalls eine Nullstellung gibt. Das
ESA-Fahrwerk ist nicht nur purer Luxus, sondern das reinste Vergnügen und
was den Schaltassistenten angeht, so wäre ein Verzicht völlig
unverständlich. Vorausgesetzt, das Geld ist da.
Auf offener Freilandstraße und Autobahn fühlt sich die K
1300 S wie ein Fisch im Wasser. Neben dem Landgang meistert sie auch
Stadtrundfahrt und Winkelwerk besser als früher.
Gegen die
Wand. Nur eine kleine Ausnehmung in der Verkleidung erlaubt dem Motor einen
Blick ins Freie.
Like a
golden Shower. Körperflüssigkeiten werden schamlos zur Schau gestellt.
Schwebendes Hinterrad gegen gewichtigen Kraftprotz.
Ende eines
Egotrips. "Normaler" Startknopf.
Auch der Blinkerschalter ist nur mehr einer.
Mit Logos
geht man bescheiden um. Der Fahrer wird trotzdem dauerhaft informiert.
Schnell und hell. Sicherheitsbewusstsein wird stets gut
ausgeleuchtet. Blinker im Spiegel oder Spiegel im Blinker?
Die schnellste BMW aller Zeiten, auch wenn der Dreier am
Tachoblatt nicht mehr geschrieben wird.
Eigentlich zum Test bestellt, kot ein kurzes Päuschen hält.
Die Klappe hoch, den Blick ins Ferne, es blitzt die Sonne, nicht die Sterne.
Deshalb klappt aus einer Rille, zum Schutz er eine dunkle Brille.
Vergessen Arbeit, Pflicht und Bäume, versinkt der kot im Land der Träume.
Ein Koffer? Bloß ein fauler Sack! Wenn man ihn geöffnet hat.
Doch mit einem Handgriff schon, wird der Sack zum Luftballon.
Das Schließen ist ein Kinderspiel, so bleibt der Inhalt wertstabil.
Den Schlüssel rein und umgedreht - fertig ist das Eilpaket!