TGB Blade 425

Ein voll ausgestattetes ATV um 4.999 Euro? Ein Test muss klären!

TGB Blade 425

TGB 425 Video - Testbericht

Wir filmten mit der Onboard-Kamera aus allen Perspektiven und auch viele Details. Diesmal muss das ATV-Video leider ohne Crash auskommen. Wir kippten nicht um. Lag auch daran, dass wir aus Fehler lernen und die Blade schwer und mächtig aussieht.

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Schnitt: Christian Vollath
Videodreh: NastyNils


Unglaublich: 4.999 Euro?

Ich konnte es kaum glauben, als ein TGB 425 erstmals auf der örtlichen Tankstelle auftauchte. So ein riesen Monster kostet nagelneu mit Garantie, Gewährleistung zulassungsfähig nur 4.999 Euro? Muss ein irres Klumpert sein, war der nächste Gedanke. Denn ich bin schon andere ATVs ums doppelte bis dreifache Geld gefahren und rein optisch wirkte die Blade genauso groß und mächtig. Ein Test muss klären!

Wesentlich für mich beim Thema Quad, Roller und Motorrad: Wo kann ich das Fahrzeug kaufen, wer kann es mir warten und reparieren und wo kann ich Gewährleistungsansprüche geltend machen. Es gibt noch billigere Quads am Markt. Besser gesagt im Baumarkt. Immer wieder mal landet ein Container voller Fahrzeuge aus China in der einen oder anderen Baumarktkette und wird mittels Flugblatt unters Volk gebracht. Ein Blick in diverse Foren macht aber schnell klar - schon bei der kleinsten Ersatzteilbestellung gibt es gewaltiges Frustrationspotential. Bei manchen Fahrzeugen ist es schon im ersten Jahr fast unmöglich Ersatzteile zu bekommen. Das nächste Dilemma wartet dann bei der ersten Reparatur. Im Baumarkt wird zwar verkauft aber nicht geschraubt und in Fachwerkstätten freut man sich natürlich besonders, wenn Kunden mit exotischen Baumarktmaschinen vor der Werkstatt stehen. Man hat so entweder das Problem, dass man keine Firma findet die Reparaturarbeiten übernimmt oder man legt kräftig Deppensteuer ab.

Zuverlässiges Händlernetz

Den Import für ATVs von TGB übernimmt die Wolfsberger Leep Gruppe. Im Kärntner Stammsitz arbeiten 50 Mitarbeiter und kümmern sich um den Import von Rollern, Mopeds und Quads aus Asien. Im Fall von TGB sprechen wir von einem Produkt aus Taiwan. Wenn man Insidern glauben schenken darf, steht Taiwan in der Qualitätshierarchie oberhalb von China. Verkauft wird das Produkt auch nicht über Baumärkte sondern über viele kleine aber interessierte Fachhandelsbetriebe. Damit kann man zwar über Nacht einen ganzen Container verkaufen, aber man hat auf lange Sicht treue Partner bei der Betreuung der Kunden. Die Händler sind zum Teil Motorradhändler, aber auch einige echte Quadspezialisten sind mit dabei. Landmaschinenhändler sind eher in der Unterzahl, wobei das Quad thematisch auch dort gut hinpassen könnte. Servicearbeiten oder Ersatzteile kann man dann beim gleichen Händler beziehen oder aber auch bei einem anderen der rund 20 Vertragspartner in Österreich bzw. 66 Händler in Deutschland. Laut Feedback von Händlern gab es bisher keine häufigen Garantiefälle und die Ersatzteilversorgung durch die Fa. Leeb funktioniert tadellos.

Wichtig für ein sorgenfreies ATV-Leben: Kardanantrieb!

Beim Test muss jedes ATV unser Standardprogramm durchlaufen. Das lautet: Schotter, Wasserdurchfahrten, steile Bergaufpassagen, steile Bergabpassagen, schnelle Buckelpisten, alltägliche Strecken auf Asphalt und knifflige Strecken im Unterholz beim Schwammerlsuchen. Schnell war klar, dass mein erster Gedanke nicht ganz richtig war. Von wegen billiges Klumpert! Die Hausstrecke ist so steil, dass ich sie bei feuchten Bedingungen mit der Enduro nur mit körperlichen Qualen schaffe. Das TGB Blade ATV zieht mit dem Untersetzungsgetriebe den steilen Berg problemlos nach oben. Wurzeln, Steinbrocken und dicke Äste wirken auf den ersten Blick bedrohlich, verschwinden aber problemlos unter dem mächtigen Mahlwerk der Räder. Als nächstes wird die lange Bachdurchfahrt in Angriff genommen. Waldweg und Bach verschwinden hier zu einem gemeinsamen Ganzen und nach Regenfällen machen hier vorsichtige Typen auch mit dicken 4x4 Geländewägen eine Kehrtwendung. Mehrere hundert Meter lang pflüge ich mit dem TGB durch das Gemisch aus Wasser, Schlamm und Kies. Dieses Gemisch ist gnadenlos und kriecht in alle Ritzen der Maschine. Nach dieser Durchfahrt hätte man bei Geräten mit Kettenantrieb das erste Mal eine gründliche Reinigung vornehmen müssen, mit dem wartungsfreien Kardanantrieb bleibt mir das erspart. Kein Problem haben auch die Scheibenbremsen mit den nassen Bedingungen. Generell war ich mit der Leistung der Bremse sehr zufrieden, bei steilen Bergabfahrten jedoch bremste ich zusätzlich mit dem Untersetzungsgetriebe. Motorradfahrer unterschätzen in solchen Situationen oftmals das hohe Fahrzeuggewicht (ein dickes ATV ist mehr als doppelt so schwer wie eine Enduro) und bremsen erst im nächsten Busch.

Insgesamt war das ATV ein grandioser Begleiter beim Schwammerlsuchen. Das TGB kann mit Handbremse in jede Lebenslage geparkt werden und auch aus jeder Lebenslage wieder in Fahrt gesetzt werden. Egal ob noch vorne oder nach hinten, denn anders als bei Sportquads, gibt es hier natürlich auch einen Rückwärtsgang.

Der Motor hat 403 ccm und leistet ungedrosselt 20kW. Im Gelände ist man damit bestens versorgt, unangenehm wird es jedoch auf den schnellen Verbindungsetappen. Dort läuft der Motor über das automatische Getriebe bei sehr hoher Drehzahl um das dicke Quad auf Geschwindigkeit zu kriegen. Der Auspuff ist in der offenen Variante sehr laut und so sind lange schnelle Fahrten ohne Ohrenstöpsel keine empfehlenswerte Angelegenheit. Auch gegenüber Anrainern und Spaziergängern wäre ein leiserer Auftritt angenehmer gewesen. Eine harte Prüfung fürs Fahrwerk sind schnelle Passagen auf holprigem Gelände. Der Regen hat tiefe Furchen gegraben und faustdicke Steine pflastern den Weg. Hinter dem ATV spielt sich ein wahres Inferno ab. Steinbrocken fliegen durch die Luft, lautes Gedröhne erschüttert die Sträucher. Das ATV bleibt tapfer auf Kurs doch im Sattel wird es bei hoher Geschwindigkeit etwas ungemütlich. Sportlichere Quads mit teurerem Fahrwerk können hier ein höheres Tempo gehen eh am im Sattel Angst bekommt.

Kein Autoersatz!

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dieses ATV kann zwar viel, wird aber ein Auto oder auch Motorrad nicht ersetzen. Auf längeren Strecken sind sowohl Auto als auch Motorrad deutlich komfortabler. Reisegeschwindigkeiten von über 90km/h machen auf Quads nur kurzfristig Spaß. Etwas besser wird es mit Strassenreifen und härter abgestimmten Fahrwerken, aber auch dann wird daraus kein Fahrzeug für den täglichen 30-40km Ritt in die Arbeit.

Das beste Preis / Leistungsverhältnis!

Vier Wochen stand die TGB im Einsatz und musste wie alle anderen Testfahrzeuge auch ohne Wartung und Pflege auskommen. Abnützungserscheinungen zeigten im Ansatz nur die Reifen, sowie die Schotterzufahrt zur Garage. Kein Schraube wurde locker, und kein Lamperl ließ mich im Stich. Der Motor sprang bei allen Temperaturen immer an und die Kombination Anlasser / Batterie startete beim Schwammerlsuchen unzählige Male ohne Ermüdungserscheinungen. Für mich ist klar: In Sachen Preis / Leistungsverhältnis gibt es kein besseres ATV am Markt. Eigentlich unglaublich, dass ein solch riesiges Fahrzeug um so wenig Geld zu haben ist. Man bekommt für relativ wenig Geld viel Spaß und auch einen hohen Nutzwert geliefert. Denn das ATV kommt serienmäßig mit Extras wie abnehmbarer Anhängerkupplung und großem Gepäckträger. Das Blade gibt es auch in einer 4x4 Variante. Dann kostet sie allerdings 6.999 Euro und kommt mit serienmäßiger Seilwinde. In dieser Kombination gibt es im Prinzip keinen Weg mehr, der nicht bezwingbar wäre. Aber offen gesagt, reicht die 4x2 Variante für so ziemlich jedes Gelände in das sich selbst mutige Piloten wagen. Sinnvoll wird die 4x4 Variante im winterlich alpinen Gelände. Als Lastentier für die Berghütte sollte man die 2.000 Euro extra einkalkulieren - dann ist man auf der sicheren Seite. Nicht uneingeschränkt empfehlen kann ich die 250er Version. Diese kostet 1000 Euro, dafür hat sie aber einen Kettenantrieb und einen deutlich schwächeren Motor. Wenn es die Finanzen zulassen, würde ich auf alle Fälle zum deutlich hochwertigeren 425er greifen.

Okkasion für Unternehmer

Zur echten Okkasion wird das TGB ATV für Unternehmer. Finanzbeamte haben sich mittlerweile an den Anblick der ATVs gewohnt und akzeptieren das Fahrzeug als Betriebsausgabe für Hüttenwirte, Landwirte, Bauunternehmer und ähnliche Betriebe.

Das ATV macht aus jeder Perspektive einen gewaltigen Eindruck. Es wirkt bullig und mächtig. Beim Auftritt vorm Stammtisch ist das Verhältnis von Preis / Aufsehen bei diesem Fahrzeug unschlagbar.
Serienmäßig mit dabei: Der großzügige "Kofferraum". Wir transportierten hier vor allem die Beute vom Schwammerlsuchen! Das kleine Cockpit bietet alle nötigen Infos und ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung sehr gut ablesbar.
Die Bremsanlage verzögert auf jedem Terrain zuverlässig. Im beladenen Zustand (ja ich geb es zu, ich bin mit Sozius gefahren), verwendete ich für Bergabpassagen jedoch zusätzlich das Untersetzungsgetriebe um stressfreier zu Bremsen. Die progressiv gewickelten Federn sorgen dafür, dass man auch bei Sprüngen das Fahrwerk nicht in die Knie zwingt.
Die Kraft vom Motor kommt über eine Kardenwalle aus dem Getriebegehäuse nach hinten zu den Antriebsrädern. Anders als bei Sportquads, entfällt so die nervige Kettenpflege. Das TGB Blade wird mit offener Leistung recht laut. Das stört nicht nur die Anrainer, sondern nach mehr als einer Stunde Fahrzeit auch den Piloten.
Bei den Federelementen kann man die Federvorspannung einstellen. Wir testeten das Chassis auch mit Sprüngen und harten Kompressionen, was sowohl bei Mensch wie auch Maschine zu keinen bleibenden Schäden führte. Eine bessere Dämpfung hätten wir uns bei schnellen Passagen auf stark holprigen Passagen gewünscht. Einer der wenigen Punkte wo man den Unterschied zu mehr als doppelt so teuren ATVs spürt. Trotz Automatikgetriebe hat der Fahrer 4 Möglichkeiten beim Getriebe:
L: Der Kriacha, bzw. Vorwärtsgang mit Untersetzungsgetriebe für steile Bergauf- und Bergabpassagen.
H: Der Vorwärtsgang
N: fürs Parken
R: Rückwärtsgang
Kostenlos im Serienumfang dabei: Die abnehmbare Anhängerkupplung. Die Bedienelemente kennt man von Moped, Roller oder Motorrad.
Gas gibt man mit dem rechten Daumen, und der große silberne Hebel betätigt eine fest zupackende Feststellbremse. Die serienmäßigen MAXXIS Reifen sorgen im Gelände für guten Vortrieb. Auf Asphalt singen sie recht laut.
Vom 400 ccm Motor (mit der 425er Aufschrift wird etwas übertrieben) sieht man nicht viel. Leistung ist jedoch genug vorhanden.
   
STÄRKEN SCHWÄCHEN
  • Im Moment das beste Preis / Leistungsverhältnis am Markt.
  • Super Ausstattung schon serienmäßig.
  • Auch in der 4x2 Ausführung erstaunlich hohe Kletterleistung im Gelände.
  • Das bullige ATV bietet auch großen und starken Männern viel Fahrkomfort.
  • In der offenen Version wird das ATV sehr laut. Unangenehm bei längeren Touren.
  • Auf sehr schnellen Passagen im harten Gelände ist die Dämpfung des Fahrwerks überfordert. Man bekommt viele Schläge ungefiltert in die Sitzbank
 

Technische Daten TGB Blade 425

Motor
 
1 Zyl. 4-Takt mit Wasserkühlung
Hubraum: 403,1 ccm
 
Nennleistung
 
14,9 / 6500 (kW/min-1) EU Zulassung, offen: 20 kW
 
Antrieb:
 
Variomatik-Rückwärts, Leerlauf, Vorwärts Normal, Vorwärts mit Untersetzung mit Kardanantrieb
 
Startsystem:
 
Elektrostarter
 
Federung vorne:
 
Verstellbare Gasdruckfederbeine, Einzelradaufhängung
 
Federung hinten:
 
Schwingarm mit Starrachse und verstellbarem Gasdruckfederbein
 
Bremsen vorne:
 
2 x Scheibe Ø 200 mm
 
Bremsen hinten:
 
2 x Scheibe Ø 220 mm
 
Reifen vorne:
 
Maxxis Street 185 / 88 - 12
 
Reifen hinten:
 
Maxxis Street 270 / 60 - 12
 
Tankvolumen:
 
18 L
 
Maße (l/b/h) mm:
 
2155 / 1170 / 1205
 
Farben:
 
grün, rot
Federung hinten:
 
Schwingarm mit Starrachse und verstellbarem Gasdruckfederbein
 
Leergewicht trocken:
 
303 kg
 
Bericht von nastynils am 25.09.2008 Aufrufe: 107.884

Gebrauchte TGB Motorräder

TGB Blade 425 4x2
BJ: 2008 , 7.100 km
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