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Volli |
Guzzi 1200 Griso 8V |
28.06.2008 11:40:00 |
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Das jüngste Naked Bike aus Mandello del Lario ist ein richtiger Kraftmeier und
Kurvenräuber.
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Moto Guzzi
Griso 1200 8V |
„Ist das aber ein schönes Motorrad!“ Dass ich angeplaudert werde,
wenn ich ein Bike mit klassischem Label reite, bin ich ja gewohnt.
Meistens sind es ältere Herren, die wehmütig bekennen, dass sie – früher
– auch eine Moto Guzzi gehabt haben und so weiter und so weiter. Aber
diesmal ist es ein Junger, einer der nach heutigen Führerscheingesetzen
wahrscheinlich noch gar kein großes Eisen fahren darf. Die Griso macht
also Eindruck. Optisch offenbar einen guten, einen sehr guten, denn die
Reaktionen sind allseits freundlich und wohlwollend.
Dabei hat’s Moto Guzzi durchaus bös gemeint, als man die Griso
konzipierte. Sie sollte ein echt wildes Naked oder vielmehr ein
Muscle-Bike sein, ein richtiger Macho-Ofen. Nicht umsonst ist der Pate
der Griso so eine Art Räuberhauptmann, eine Figur als Alessandro
Manzonis „I Promessi Sposi“ (zu deutsch: Die Verlobten, 18 Jahrhundert).
Man könnte sagen typisch italienisch, große Inszenierung.
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So stand die Griso im Herbst 2006 in Mailand,
als 1100er. Als 1200er ist sie jetzt tatsächlich da. |
Es geht ja auch um ein großes Motorrad. Stilistisch, ohne die angestammte
Linie des Hauses zu verlassen, fügte man in Mandello del Lario also zum
kräftigen Rundrohrrahmen einen durchaus schlanken, dennoch breiten Tank, eine
mächtige Einarmschwinge, den traditionellem Kardan, luftige Alu-Räder, und –
keine Verkleidung, dafür einen ziemlich geraden, breiten Lenker und einen
Chrom-beringten Rundscheinwerfer. Fehlte dem Antrieb - dem ursprünglich
vorgesehenen 1100 ccm-Zweiventiler - bloß noch der nötige Dampf. 88 PS sind
nicht (mehr) die Welt. Also wurde der 90°-V-Twin in die Kraftkammer geschickt.
Moto Guzzi verlautbart, dass an diesem Motor insgesamt
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563 brandneue Bauteile dran und drin sind. Um die zu zählen, müsste man
das Aggregat zerlegen. Das tun wir aber nicht. Tatsache ist, dass die
Leute in Mandello del Lario den Hubraum auf 1.151 ccm aufgeblasen haben
und auf Vierventiltechnik umstellten - womit die Griso das erste Modell
war, die in den Genuss des erstarkten Murls kam. In ihr leistet er 110
PS (in der Stelvio 105). Während beim 1100er-Motor die Ventile von einer
zentral zwischen den Zylindern liegenden Nockenwelle über Stösselstangen
und Kipphebel gesteuert wurden, verfügt der neue Achtventiler über je
eine kettengetriebene, seitlich am Zylinderkopf liegende Nockenwelle.
Diese betätigt über hydraulische Stössel zwei Kipphebel, welche die
jeweils vier Ventile steuern. Damit’s nicht zu heiß wird, überarbeitete
man den Ölkreislauf, weil: Umstellung auf Flüssigkeitskühlung stand
nicht auf dem Plan. Das wäre eine Revolution gewesen. Eine teure. Und:
Kleiner ist der mächtige V2 so oder so nicht mehr zu kriegen, was die
Dimension anbelangt.
Im Fahrbetrieb zeigt der 1200er tatsächlich ziemlich feine Manieren.
Wohl beutelt’s einen nach wie vor kräftig, wenn man ihn anwirft. Bei
Standgas. Mit steigender Drehzahl beruhigt sich das Ganze und gewinnt
zunehmend an Laufkultur. Auch ist die Gasannahme fein direkt, ebenso das
Ansprechverhalten. Beim getesteten Modell gab’s zwar den einen oder
anderen Verschlucker, doch das schreiben wir der Jungfräulichkeit der
Griso zu. Zum Zeitpunkt der Abholung vom Importeur standen gerade einmal
zwei Kilometer auf der Uhr. Das dürfte auch erklären, warum sie
reichlich durstig war, unter acht Liter machte sie’s im Zuge der
mehrtägigen Test-Session nicht. Egal, ob beim Dahinrollen oder beim
Ausreizen des Drehzahlbegrenzers (bei 8000 Touren). Der für längs
liegende Kurbelwellen typische Rechtsdrall übrigens hält sich in sehr,
sehr engen Grenzen, wie wir schon bei der Stelvio feststellen konnten.
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Voluminöse Einarmschwinge und der – auch bei Moto Guzzi – unvermeidlich
traditionelle Kardan-Antrieb. |
Was sich noch kaum geändert hat, ist die angestammte Schwergängigkeit
der (Trocken-)Kupplung (mit immerhin justierbarem Hebel). Die sorgt
dafür für exakten Kraftschluss. Solange man nicht im Stadt-Stau
dahinzockelt. Dann kann’s ihr heiß werden und sie zeigt Tendenz zu
leichter Rupfigkeit. Exakt ist auch die Schaltung. Solange man dafür
sorgt, dass die Gangstufen präzise – und mit einem deutlichen „Klonk“ -
einrasten. Wer nudelt wird feststellen, dass es die typischen
Guzzi-Zwischengänge immer noch gibt. Zum Thema Schalten: Kardan-bedingt
braucht das ein wenig Zeit. Gänge hochdrehen und durchreißen mag das
System nicht besonders. Da beutelt sich die Griso unwillig, wie ein
schlecht gelauntes Turnierpferd.
Gar nicht bockig ist das Fahrwerk. Besonders auf grauslichem Flickwerk
benimmt sich die Griso höchst neutral. In der Grundabstimmung ist das
Fahrwerk hart, aber gerecht. Menschen, die weit unterm
durchschnittlichen Gewichtsniveau liegen haben aber mehr Freude, wenn
die Dämpferelemente darauf abgestimmt sind, sonst setzt’s fallweise
Hüpf- und Stoßeinlagen. Die Option fürs Fein-Justieren gibt’s ja
serienmäßig, sowohl Gabel als auch Federbein sind voll einstellbar.
Beide verrichten ihre Arbeit prompt und sensibel, bringen keine Unruhe
ins Treiben. Grobes Asphalt-Flickwerk stecken sie stoisch weg, auch böse
Querschläge, auf Längsrillen zeigt sich ein – geringer – Hang zum
Nachlaufen, Ausbruchsversuche zeitigt das aber nicht.
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Italo-Naked Bike der gediegenen-gewichtigen Art, mit feinen
Komponenten und ordentlich Mark. |
Unter die Kategorie Leichtgewicht fällt die Griso nicht. Wäre ja auch nicht
Guzzi. Vollgetankt bringt sie 244 Kilo auf die Waage. Zum verläßlichen
Einfangen ist die top-aktuelle Bremsanlage mit Wave-Scheiben vorne sowie radial
montierten Vierkolbensätteln gerade richtig. Der Druckpunkt ist zwar nicht
supersportlich knallhart und glasklar, die Anker-Wirkung ist jedoch schwer in
Ordnung.
Die Wendigkeit und Einlenk-Leichtigkeit ist dem Gewicht und der Radstand-Länge –
1,554 Meter – der Griso angemessen. Die leichte Kavallerie kann man mit ihr
nicht reiten. Aber sie ist erstaunlich handlich, wenn man ihr unmissverständlich
mitteilt, wohin man will, ob im Kreisverkehr oder beim Um-die-Ecken-Wetzen. Das
macht sie so gut, dass wir das Höllental gleich hin- und her gefahren sind – so
sehr waren wir hin- und hergerissen. Dank des Ur-Schmalzes, das sie von unten
weg entwickelt, ist man aus den Ecken heraus Kaiser. Das wird begleitet von
dumpfem Bollern, das trotz gesetzkonform zugestopften Endtopfes immer noch
Ohren-schmausig aus ebendiesem tönt (Termignonis liegen übrigens beim Faber
schon im Regal). Was für ein Spaß!
Fazit: Eine Supersportlerin ist die Griso nicht. Aber sehr wohl eine
Sports-Freundin für flotte Touren übers Land. Und auch über die Autobahn. Die
angegebene Top-Speed von 230 km/h ist kein leeres Versprechen. Sie ist wirklich
die stärkste Guzzi, die es bisher je gab.
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Großer Motor, mächtige Auspuffanlage. Der dicke Doppelkammer-Endtopf kann gegen
einen schlankeren Termignoni getauscht werden. | |
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Technische Details - Moto Guzzi Griso 8 V |
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Motorbauart |
2-Zylinder, 4-Takt-Motor, V 90° |
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Hubraum |
1.151 ccm |
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Bohrung x Hub |
95 x 81,2 mm |
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Leistung (homologiert) |
81 kW (110 PS) @ 7.500 U/min |
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Max Drehmoment |
109 Nm @ 6.650 U/min |
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Kompresssion |
11:1 |
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Starter / Batterie |
E-Starter / 12 V 18 Ah |
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Getriebe |
Sechsgang |
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Gemischaufbereitung |
elektron. Multipoint-Einspritzung
(2 Drosselklappen 50 mm), Magneti Marelli |
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Steuerung |
8 V / DOHC |
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Sekundärantrieb |
Kardan |
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Kühlung |
Luft / Öl |
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Kupplung |
Einscheiben - Trockenkupplung |
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Rahmen |
Stahlrohr |
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Hinterradaufhängung |
Einarmschwinge |
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Lenker |
Rohrlenker |
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Federung vorne |
USD-Gabel, 43 mm, vor einstellbar |
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Federung hinten |
Mono-Federbein mit progr. Umlenkhebeln, voll einstellbar |
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Federweg vorne/hinten |
120 / 110 mm |
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Bremse vorne |
2 x 320 mm-Wave-Scheiben, Vierkolben-Radial-Sattel |
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Bremse hinten |
1 x 282 mm-Scheibe, Zweikolben-Schwimmsattel |
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Felgen, vorne/hinten |
3,50 x 17"; 5.50 x 17", Dreispeichen-Alu |
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Bereifung vorne/hinten |
120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17 |
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Auspuff |
2-in-1, Edelstahl-Enddämpfer, geregelter 3-Wege-Kat |
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Lenkkopfwinkel |
26° 30’ |
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Radstand |
1.554 mm |
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Länge/Breite/Höhe |
2.260/830/1.070 mm |
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Sitzhöhe |
800 mm |
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Tankinhalt |
16,4 Liter / 3,3 Liter Reserve |
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Trockengewicht |
222 kg |
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Top-Speed |
230 km/h |
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Preis: € 15.499 ,-- |
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Ein bisschen Chrom muss bei Guzzi sein, auch wenn’s heutzutage Anzeige-technisch
teil-digital zugeht. |
Modisch: Klarglasblinker.
Nur, dass sie doch reichlich groß sind. |
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Hupe oben, Blinker unten – das führt zuweilen zu Verirrungen.
Der andere
schwarze Knopf ist für den Bordcomputer. |
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Keine Experimente leisteten sich die Guzzi-Leute beim Frontlicht: klassisch
Chrom-umringter Rundscheinwerfer. |
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Kleiner geworden ist der V2 durch die Kraftkur nicht, dafür kultivierter und
stärker – von 88 auf 110 PS |
An Materialauswahl und Verarbeitungsqualität gibt es nichts zu meckern. |
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Einstellbare Hebel bietet die Griso nicht nur für die Bremse, sondern auch für
die Kupplung. |
Bremstechnisch ist die Griso up to date: Wave-Scheiben und radial montierte
Bremsen mit Vierkolben-Sätteln |
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Feine Ware ist auch an den Dämpfer-Einheiten verbaut, das Mono-Federbein ist
voll einstellbar. |
Der Seitenständer Ist genau an der richtigen Stelle montiert und auch für
Kurzhaxerte gut erreichbar. |
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Text: Beatrix Keckeis-Hiller
Bilder: MotoGuzzi, Beatrix Keckeis-Hiller |
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| 1000ps Data Recording |
Guzzi 1200 Griso 8V |
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online seit : 1428 Tagen |
gelesen: 41113 mal |
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| Kaufkraft: |
ein Kauf heuer kommt für 34,15 % der Bewerter in Frage
ein Kauf später kommt für 42,68 % der Bewerter in Frage
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| 1000ps Userbewertung: Guzzi 1200 Griso 8V von
Volli |
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Text: |
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