Spec II heißt das FZ6-N Topmodell mit der vollen Leistung von 98 PS. Und schön wie ein Topmodel ist sie auch.
Yamaha FZ-6N S2 2007
Her mit dem Spec! Yamaha splittet seine nackten
600er und erweitert sein Spektrum. FZ Modelle der Mittelklasse von 34
bis 98 PS mit Topmodell S2 (Spec II).
Ein zusätzliches S in der Modellbezeichnung kann
nicht nur ein Hinweis auf eine Halbverkleidung sein, sondern stand immer schon für ein Upgrade, für eine
bessere, meist stärkere und schnellere Version eines Fahrzeugs. Auch Yamaha
greift auf dieses Kürzel zurück, um die Topversion seines 600er Nakedbikes
zu kennzeichnen.
Nachdem man aus der normalen FZ6 ein 3-in-1 Paket geschnürt
hat und diese nun vom Händler weg mit 34, 78 oder den vollen 98 PS
erhältlich ist, und damit das perfekte Eisen für Einsteiger geschaffen hat, wollte man außerdem jenen Kunden ein Produkt anbieten, die
nur die volle Leistung interessiert und die sich
mit Standard nicht zufrieden geben. Die Spec II soll so ein Produkt sein,
wobei sie sich in der Motorleistung nicht vom entdrosselten "Original" unterscheidet
(98 PS),
sondern zum Großteil in der Optik und einigen feinen Teilen.
Charakteristischer Auspuff mit Lüftungsschlitzen.
Instrumente wie die große Schwester.
Für 1500 Euro mehr muß es dann natürlich
wirklich um einiges besser aussehen, und das tut es. Die FZ-6N S2 gibt es in
edlem Weiß,
metallischem Silber, bösem Nacht-schwarz und tiefem Blau. Am Tank der blauen
Variante findet sich außerdem ein fetziges FZ6 Logo und auch die roten
Felgenbänder gibt es nur hier. Den schwarz eloxierten Rahmen und Motor
haben sie hingegen alle, ebenso die Aluminiumschwinge mit sechskantigen
Schwingenarmen. Ein kurzer Blick reicht, um den Qualitätsunterschied zur
gewöhnlichen FZ festzustellen. Etwas genauer hinschauen muß man bei den
einteilig gegossenen Bremszangen vorne, den hochwertig eloxierten
Tauchrohren der Telegabel und den Instrumenten im Stile des FZ1 Cockpits.
Hat man die Spec II einmal gesehen, mag man die gewöhnliche FZ gar nicht
mehr so gern.
Der Lenker wirkt breiter, als er ist.
Man hat schon ein Händchen für
ansprechendes Design bei Yamaha, die FZ6-N Spec II bildet da keine
Ausnahme. Unschön fällt nur die neben dem linken Gabelrohr völlig frei
stehende Hupe auf, die man sicherlich besser hätte verstecken können. Die
gewählte Position hat nur einen Vorteil: Nichts ist ihr im Weg. Doch sonst
gibt es eigentlich nichts zu beanstanden, das Motorrad sollte allgemeinen
Zuspruch finden, muß es ja schliesslich auch. Der 600er Nakedbike-Markt ist
hart umkämpft wie kaum ein anderer und die Hersteller müssen den Spagat
zwischen Eigenständigkeit, unverkennbaren Detaillösungen und
Massenkompatibilität (schrecklich) schaffen.
FZ6-N Spec II
Video
Motorradtest und Videodreh unter Zeitdruck,
doch die Spec II verlangt keine langen Eingewöhnungsphasen von ihrem
Fahrer. Nur auf's Drehen am Gasgriff sollte man nicht vergessen, um
die Leistung aus dem R6 Aggregat zu kitzeln.
Wer sich das Video auf seinen Computer
downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".
Videodreh: kot & karo
Schnitt: CimpleMoritz
Nachdem die FZ brav Modell
gestanden hatte, wollten wir überprüfen, ob es sich hier um mehr Schein
als Sein handeln könnte. Die schweigende Schöne wurde zum kreischenden
Biest.
Der Motor ist sehr drehfreudig,
positiv ausgedrückt. Negativ ausgedrückt heißt das, man freut sich erst dann, wenn man ihn dreht.
Richtig dreht. Die Leistung von 98 PS ist bei 12.000 U/min. auf ihrem Höhepunkt, das
volle Drehmoment von 63 Nm entfaltet sich bei 10.000 U/min. Ist nicht ungewöhnlich,
auch die 600er Aggregate der Konkurrenz weisen sehr ähnliche Werte auf, nur
hat man auf anderen Modellen wesentlich früher mehr Kraft zur Verfügung, was
das Fahren angenehmer macht, weil so das Orgeln wirklich nur bei voller
Attacke notwendig ist. In der Drehzahlmitte vermissten wir etwas den Biß.
Der aus der R6 stammende Motor sollte dahingehend noch besser abgestimmt
werden. Ab 9000 Touren vermißt man hingegen nichts, da regiert der pure Spaß
bis 13.000 Umdrehungen und die kleine Nackte wird im Kurvengeschlängel zur
Gefahr für unvorbereitete Supersportler.
Auch die gut funktionierenden Bremsen sind ein Grund zur Freude.
Auf der Spec II kommen vorne wieder einteilig gegossene
Vierkolben-Festsättel auf zwei 298mm Scheiben zum Einsatz. Die beißen nicht
nur kräftig zu, sondern sind auch sehr fein zu dosieren. So muß man ihr als
Fahrer nicht viel Aufmerksamkeit schenken und hat auf Anhieb alles fest im
Griff. Anders verhält es sich leider mit dem ABS, dessen Wirkungsweise als
das Gegenteil von fein bezeichnet werden muß, so grobmotorisch fuhrwerkt das
System. Einziges Plus ist, daß es nur in Notsituationen zum Einsatz kommt
und im normalen Verkehrsbetrieb nicht auslösen sollte. Und dann wird man
froh sein, überhaupt eines zu haben.
Die Sitzposition ist entspannt mit einer Prise Sportlichkeit, mit
der Sitzhöhe von 795 mm werden nicht viele Probleme haben. Der Beifahrer/Die
Beifahrerin hat es auf der Spec II übrigens wesentlich bequemer als auf der
normalen FZ6, da die aus Aluminium gefertigten Fußrasten gummiert sind und
ganze 20 mm tiefer gelegt wurden. Ein großer Schritt aus der
Katze-gackt-Position. Der Lenker könnte ruhig ein bisschen breiter sein,
dann hätte man die Zügel besser in der Hand und könnte Impulse leichter an
das Motorrad weitergeben. Außerdem ist er zu stark gekrümmt, was zu einem
unnatürlichen Winkel zwischen Händen und Unterarmen führt. Ein Lenker, der
Kurzgewachsenen und Frauen entgegenkommt.
Es geht flott und entspannt durch die Kurven, doch man fühlt, daß hier
noch ein Stück mehr Agilität drin wäre. Überdenken sollte man deshalb die
Wahl des BT-020R als Erstausrüstung. Der mag zwar mit seiner Stabilität und
hohen Laufleistung recht gut zur
halbverkleideten, tourentauglichen Fazer passen, nicht aber zu einem quirligen Kurvenräuber
wie die nackte FZ6. Genug Grip wurde zwar nie vermißt, aber das Handling
wurde beeinflußt und leider entschärft. Da geht mehr!
Yamaha FZ-6N Spec II
Detailansichten
FZ1 oder FZ6? Die Antwort muß man woanders suchen.
Die griffige Sitzbank sorgt für rutschfreien Halt,
ebenso die Griffe für den Sozius.
Haben wir schon schöner gesehen: Billiger
Schalthebel.
Einteilig gegossene Bremszangen.
Die Yamaha FZ6-N Spec II wird bei den Fahrleistungen ihrem Aussehen
also durchaus gerecht. Ein sehr fahrbares Motorrad, auf dem
erfahrenen Piloten trotzdem nicht fad werden dürfte. Der Preis beträgt
8.995 Euro (Spec II nur mit ABS erhältlich) während man für die "Standard"-Version der
FZ6-N mit ABS derzeit lediglich 7.495 Euro (Aktionspreis!)
hinblättern muß.
Optisches
Tuning
Ein Kunstwerk ist nie ganz fertig. Das gilt genauso für die
FZ6-N Spec II. Yamaha bietet im Originalzubehör-programm ein paar
wenige, aber optisch hoch wirksame Verkleidungsteile an, die das
Aussehen des Nakedbikes weiter verschärfen.
Das in der passenden Farbe lackierte Windschild vermindert zudem den
Druck auf den Fahrer bei hohen Geschwindigkeiten und die
Sitzbankabdeckung gibt die wortlose Antwort auf die Frage nach einer
Ausfahrt zu Zweit.