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Wenn der Kahlenberg wieder zum Sauberg wird
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Bewaffnet mit einer Kawasaki
und jeder Menge Mut machten sich derGlu und die Lydia an die Bezwingung der
Sehenswürdigkeit.
Es war Samstag, es war kalt und es lag
Schnee. Ich wollte zuhause dem Blues von Sir Oliver Mally lauschen. „Sunshine,
Sunshine“, das wäre es gewesen. Dazu ein Ingwer-Tee, den König Zosimo von
Camilleri. Das alles in den Armen einer schönen Frau. Doch dann: Track 8 auf
der „Love is a devil“-CD vom Sir des Blues: „You ain´t nothing special“
Und weil dem wirklich so ist, wurde aus
dem schönen Wochenendplan nichts. Das lag nicht nur daran, dass sich keine
schöne Frau finden ließe, die mich in die Arme nehmen würde. Der Nils war
wieder nastig und befahl, dass ich mit der Kawa raus müsse. „Mach was! Aber
anständig!“ „Draußen liegt Schnee!“ „Na und?“
An diesem Tag bot sich der Kahlenberg
förmlich an. Die Sonne schien und es hatte sogar zwei Grad plus. Die
Aussicht am 484 Meter hohen Hausberg der Wiener dürfte fantastisch sein. Als
Sonntagsausflugsziel Nummer 1 der Wiener muss er am Samstag ja frei sein,
für eine kleine Motorradtour. |
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Die Kapelle St. Josef. Gleich neben dem
großen Parkplatz und am Weg zum unsäglichen Restaurant! |
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Der Kahlenberg an einem schönen Wintertag! Perfekt für eine kleine, aber
nicht feine Motorradgeschichte! |
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Der Kahlenberg hieß früher einmal Sauberg
oder Schweinsberg. Dem Namen wollte ich alle Ehre machen und rief Frau Lydia
an um Böses auszuhecken. Nach einigem Geziere konnte ich sie überreden ins
fesche Leder zu springen und mitzukommen. Wir werden zwar heute die Sau
raushängen lassen, aber den Name trug der Schweinsberg wegen der vielen
Wildschweine, die dort einst lebten. Die Aborigines des Kahlenbergs quasi.
Damals gab es ja den Sendemasten noch nicht, dafür war bestimmt die Aussicht
besser. Die Schweinderl haben sich bestimmt sauwohl gefühlt.
So machten Lydia (ach ja, ich sollte ihren
Namen nicht erwähnen... Ich darf den Leser bitten sich einen anderen Namen
für die Lydia auszudenken) und ich uns auf den Weg um die herrliche Aussicht
über Wien und Niederösterreich zu genießen.
Aussicht war an dem Tag aber leider aus.
Dafür war die kopfsteingeflasterte Höhenstraße von Klosterneuburg aus
teilweise schneebedeckt und eisig. Es war schon eine ziemliche Herumgurkerei
bis wir oben waren, auf der Deppenwiese neben dem Befruchtungsparkplatz –
unser Ziel am Kahlenberg. Dort war erst einmal ein Bad in der Menge
angesagt. Der Idiotenhügel am Sauberg war samstäglich besucht. Zwei handvoll
Kinder und passend dazu Erwachsene. Wir erklommen die Piste, geschützt durch
Leder, Protektoren und Helm. Man sah uns an, als wären wir overdressed.
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Knee-down am Schlitten! Es ist wie im Sommer, nur dass wir diesmal runter
kommen! |
Die anwesenden Leute schauten uns ein wenig komisch an! Wir wissen bis
heute nicht, warum! |
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Eine Mutter rückte sofort ihr gesamtes
Pisten-Equipment heraus. „Ihr könnt ruhig unsere Rodeln und Bobs haben!“
Nichts anderes haben wir uns erwartet. Lydia nahm Platz auf der Rodel.
Knee-down! „Mama, das ist meine Rodel!“ vernahmen wir das winseln eines sehr
kleinen aber echten Mannes. Wir gaben ihm die Rodel bevor er uns mit seinem
Teddybären prügelte und beschlagnahmten den schwarzen Bob. Stinkefinger! Das
gehört sich für eine Dame zwar nicht, aber die Lydia ist gerade so in ihrem
Element. Extreme Downhill-Bobing. Lydia wird vom zurückerpressten Schlitten,
pilotiert durch den großen Bruder des Stoftierbesitzers, schwer hergebrannt.
Eine wilde Verfolgungsjagd startet, die in einer schweren Brezen endet.
Gedemütigt tritt Lydia ab sofort nur mehr mit einem postkastlgelben
Helmschutz auf.
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Die Rache der Enterbten. Eine arge Demütigung für die Lydia. |
Kein Siegeskranz, kein Pokal, kein Schaumwein für Lydia!
So sehen keine Sieger aus! |
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Ich kneife natürlich auch nicht! Der
Raceschlitten wird zurückerobert. Gebückt hechte ich mich auf ihn um den
Abhang zu bezwingen. Mich brennt keiner her. Nie! Ist aber auch gar nicht
nötig. Mit meinen Motorradböcken finde ich am Schnee weniger Halt, als die Z
750 auf der Höhenstraße und bau mich auch zu Fuß ordentlich ein. Lydia tritt
mir freundlicherweise das Plastiksackerl ab. „Du hast es echt notwendiger!
Ohne verspiegeltes Visier bist du wirklich nicht anzusehen.“ Eine der Begleitpersonen vom kleinen
Schneesportartikelverleiher nimmt sich, als wir resignierend die Piste
verlassen wollen, allen Mut zusammen und fragt in meinen Helm: „Darf ich
mich einmal auf dein Motorrad setzen?“ Selbstredend erlaubte ich es ihr. Da
sie aber allen Mut schon zum Fragen verbrauchte, war zum Aufsitzen dann
schlussendlich keiner mehr da und sie unterließ es doch. |
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| Das Vortäuschen von technischen Defekten machte die
Demütigung zu keiner Geringeren. |
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Stehend, freihändig umgefallen! Wenn mir das mit der Kawa passiert wäre,
hätte ich das Sackerl gefressen! |
Ich weiß, man muss sich klein machen! Allein ich fand den Schaltblitz
nicht! |
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Die Plusgrade weichten langsam dem Eis um
die Abfahrt zurück nach Wien ein wenig spannender zu machen. Ist gut
gelungen! Blockierendes Vorderrad beim Anbremsen, blockierendes Hinterrad
beim unachtsamen Runterschalten. Es war eine riesige Hetz – für die Lydia
die hinter mir im Auto nachfuhr, um mich nötigenfalls aufklauben zu können –
oder was halt über bleiben würde. Ich glaube wir haben viele neue Freunde am
Kahlenberg. Die Höhenstraße ist ab dem Frühjahr wirklich eine Reise wert.
Herzlichen Dank an dieser Stelle an die liebenswürdigen Kahlenbergbesucher
die den Spaß mitmachten. Dank natürlich auch an die Göttliche und den Erpel,
die mit dem Essen auf uns warteten. |
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| Geiler Anblick, wenn man im warmen Auto sitzt und leicht
Lachen hat! |
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Die nächsten Wochenenden werde ich wohl,
wenn alles Salz von der Kawasaki gewaschen ist, mit der Musik von Sir Oliver
Mally, den Buchstaben von Andrea Camilleri und einer heißen Tasse Tee
verbringen. Anträge von liebeshungrigen Frauen werden selbstredend gerne
entgegengenommen und streng vertraulich behandelt! |