Der Glu erforscht die Philippinen und entdeckt unfassbares. Da werden ganz normal Endstufen und dröhnende Boxen in Motorräder verbaut, Auspuffe die bei uns
allein den Hubraumstärksten Bikes vorbehalten sind auf 125er verbaut und mehr
Leute in ein Beiwagenmoped gepfercht als hierzulande in einen PKW passen.
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Die wahren Motorradhelden leben auf den Philippinen. Da kommen die wildesten
1000ps-User nicht mit. Wie denn auch? Ein Herr Nussa, welcher der starionschen
BMW heimlich einen Tuttel lahm legt und ihr die Holzreifen auf
Elefantenwasserfüße aufbläst. Das alles nur, damit er am Weg nach Graz nicht
hergebrannt wird? Keine Chance! Der Wosiis, der nur deswegen immer am Knie durch
die Kurven eiert, weil er es von seinem Dreiradler gewohnt ist, drei
Berührungspunkte mit Mutter Erde zu haben? Der Herr Erpelito, der nach der
ersten Ausfahrt mit seiner Holden den Namenszusatz von „the fastest duck on
earth“ auf „the fattest duck on earth“ umbauen musste? Aber geh. Reden wir doch
über den Kopf der 1000ps-Bande. Der nastige Nils, um den sich Gerüchte ranken,
dass bei jeder Ausfahrt mit Fotoshooting eine Kranverleihfirma zu Rate gezogen
werden muss, damit der gnädige Herr das Vorderrad in die Luft bekommt. Kein
Wunder, dass das Stunden des Retouchierens am Photoshop für seine Knechte nach
sich zieht. Alle zusammen sind keine Heroen! Auf den Philippinen sind die Helden aus
anderem Holz geschnitzt. Ich meine nicht, weil die dort das ganze Jahr über
fahren – Kunststück, dort hat es über 30 Grad im Schatten, während sich bei
uns 30 Zentimeter hoch der Schnee im Nebel aalt. Filipinos bewegen
Motorräder, deren Zustand unsere Vorstellungskraft überschreitet, auf
Straßen, denen unsere Vorstellungskraft bei weitem nicht gewachsen ist. Auf
der Fünftgrößten von 7.107 Inseln, Mindoro, ist die Hauptverbindungsstraße
zwischen den Städten Sabang und Puerto Galera eine Schotterstraße, die von
Abschnitten aus Beton unterbrochen wird – und das ist keine Ausnahme die als
journalistisches Schaustück herhalten muss. Wer jetzt meint, das setze
geländegängige Motorräder voraus, der liegt nur so lange richtig, als er
nicht über den Tellerrand unserer eingangs erwähnten Möchtegernhelden
blickt. So sind MX-Maschinen zwar auf Mindoro erhältlich, aber diese sind so
teuer, dass sich ein durchschnittlicher Filipino ein derartiges Gefährt gar
nicht leisten kann. Also nähern wir uns dem Topic der Geschichte, den heißen
Öfen auf den Philippinen und ihren heldenhaften Reitern.
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Ein typisches Tricycle, wie sie auf
den Philippinen beinah allgegenwärtig sind. |
Eine typisch philippinische
Hauptverbindung mit einem typisch philippinischen
Individualnahverkehrsmittel. Und nein, dort gilt Rechtsverkehr! |
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Ein Motorrad auf Mindoro hat zwischen 80 und 250 Kubikzentimeter. Am
häufigsten zu finden sind Nakeds mit einem heißen 100er Häferl. Mehr ist
auch nicht von Nöten, wie bald klar sein wird. Die meisten dieser Motorräder
haben einen selbstgebauten Beiwagen, deren Errichtung manchmal an Kunst,
manchmal an knochenharte Maurerarbeit erinnert. Die Beiwagen sind einmal
liebevoll von einem kundigen Spengler bearbeitet, oder ab und an scheinen
sie einfach aus den Resten des Elternhauses zusammen getischlert zu sein.
Die Bestuhlung darauf deckt die gesamte Bandbreite von einer gepolsterten
Sitzbank bis hin zum nicht fix befestigten Campingsessel im ehemaligen Weiß
ab. Da die Tricycles, so heißen sie laut Zulassung, als Familienfahrzeug
dienen – der Familienbegriff ist auf den Philippinen weiter gefasst ist als
hierzulande und die durchschnittliche Anzahl an Kindern übersteigt das
hiesige Plan mitunter beträchtlich – werden damit in der Regel 5 bis 10
Personen befördert. Bei Platzmangel werden, so Motorrad und/oder Beiwagen
überdacht sind, auch diese potentiellen Sitzflächen rigoros ausgenutzt.
Sicherheitseinrichtungen wie Gurte gibt es nicht. Festhaltemöglichkeiten
sind vorhanden, so sie Teil des Rahmens sind oder zum Festzurren von
sperrigen und an und für sich immobilen Frachten geplant wurden. Wie gut ein
umgebautes Elternhaus seinen neuen Zweck als dreirädiger Rahmen oder
Haltegriff erfüllt, sieht man meist schon von Weitem. Aber das kümmert auf
Mindoro niemanden – wir erinnern uns: Sie sind wahre Helden, die Filipinos.
So sehr die Armut auf den Philippinen
ein Problem darstellt, gibt es dennoch kaum ein Motorrad auf den Inseln, das
nicht mit einem offenen Racing-Auspuff unterwegs ist. Da saugen sich 125
Kubikzentimeter starke Omnibusse auf zwei oder drei Rädern im Schneckentempo
an Einem vorbei und man sucht vergeblich nach der offenen KTM, von der man
annimmt, dass man sie gerade hört. Ein echtes akustisches Wunder ist es, was
die Burschen aus den Motoren für einen Lärm rausholen; Sattes Bollern am
Stand, heftiges Röhren in Bewegung.
Die echten Tuningfanatiker der Philippinen scheuen keine Arbeit und verbauen
Anlagen mit mp3-Player, Endstufe und unter der spärlichen Verkleidung
versteckten Speakern, dass jeder Samstag-Abend-Tankstellen-Prolo-Tuner aus
Wiener Neustadt feuchte Augen bekommt. Am Aussichtspunkt zu einem
Wasserfall, an den Touristen zu Duzenden gekarrt werden, unterhielt ein
derartiges Moped die gesamte Gemeinschaft der Einheimischen, die sich
vermutlich zum Touristenschauen dort trafen. Ein Teil des anschließenden
Tales wurde gleich mitbeschallt mit den Insel-Hot 100. Die musikverliebten
Filipinos tanzten dazu, motorradfanatische Touristen wie ich sahen sich die
Konstruktion an, der Rest schüttelte den Kopf – aus Verständnislosigkeit,
Head-bangen schaut anders aus!
Der Einfallsreichtum der Tuner kennt kein Ende. Manch einer soll
sogar funktionierende Bremsen auf seinem Gefährt verbaut haben, oder einen
funktionierenden Scheinwerfer. |
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Die rote RS 100T ist der ganze Stolz
der Familie. Trommelbremsen, Kippschaltung und zwei überdimensionale kaputte
Blinker. Aber die Hupe funktioniert bestimmt. |
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Eine Soundmachine auf Rädern. Am Tank ist
die Endstufe montiert, darüber baumelt der mp3-Player in Mopettenfarbe. Die
Lautsprecher sind unter der Verkleidung versteckt. Man beachte den mächtigen
Auspuff für geschätzte 125 Kubikzentimeter. |
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Daran denken die meisten aber vermutlich erst, wenn auf dem Gefährt kein
Platz mehr für einen Mercedesstern oder ein Mitsubishi-Logo ist, der Boden
mit blauen Leuchtdioden ausgeleuchtet ist und die Hupe so verändert wurde,
dass man bei ihrer Betätigung startende Wasserflugzeuge nicht mehr hören
kann. Ich glaube mich sogar an ein Motorrad erinnern zu können, das Bremsen
hatte und ein funktionierendes Bremslicht. Aber wetten würde ich mich darauf
nicht mehr trauen.
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Nicht das schönste und auch nicht das
jüngste Tricycle auf Mindoro, aber auch bei Weitem nicht das Hässlichste und
Älteste. Im Hintergrund ein Jeepney, das andere Verkehrsmittel auf den
Philippinen. Mit viel Fantasie sind sie mit den Linienbussen bei uns
gleichzusetzen. Nur sitzen in einem Jeepney mehr Menschen als bei uns in
einem Bus – auch hier gilt das Dach als Fahrgastraum |
Tricycles wie hier in Porto Galera, Mindoro, gehören
zum Stadtbild wie überall auf den Philippinen. |
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| ...und da gehen locker
noch drei Personen drauf. |
Mit einem Tricycle
werden in der Regel mehr Menschen befördert, als bei uns in einem
Mittelklassewagen mitfahren dürfen. |
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Philippinen Infobox |
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Beste
Reisezeit für die Philippinen sind die Monate Dezember bis April, da dies
die niederschlagärmste Zeit ist. Kaum Regen, jede Menge Sonne und
Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad. Allein das Meer kühlt ab Dezember von
anfänglichen 28 Grad Celsius, durch kühlere Meeresströmungen, ab.
Zum Baden
reichen die 25 Grad im Jänner auch noch leicht – wer zwischen den
Motorradtouren tauchen gehen möchte, nehme sich einen 5mm Halbtrockenneopren
mit. Motorräder kann man in jedem größeren Ort ausleihen – aber um sie auch
philippinisch zu bewegen bedarf es eines echten Helden, denn Verkehrsregeln
gibt es zwar, aber entweder es kennt sie niemand, oder sie werden, wie bei
uns Märchen, amüsiert weitererzählt, aber kümmern eigentlich niemanden. |
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