sabinewelteForumAdmin BMW R75/6 Café Racer 29.01.2013 Druck
Glänzt und riecht nach Fett und Öl. Blitzende Blunz'n aus Bayern.
bmw r75/6 cafe
 

BMW R75/6 Café Racer von Chris Wiesnet

Riecht nach Fett und Öl und ist für die Straße gebaut.
 

Diesem Grundsatz getreu hat sich der Münchner Chris Wiesnet also mit ganzer Leidenschaft seiner BMW 75/6 gewidmet. Die erstand er 2009, im Original aus 1975, ganz ohne Schnick-Schnack und fast noch so, wie sie die Maschinenbau-Ingenieure der Bayrischen Motorenwerke einst erdacht hatten. Ob ihre Erbauer dabei jemals mit so viel Herzblut gerechnet haben, das einer ihrer Maschinen viele Jahrzehnte später so ausgiebig zuteil werden würde? Chris ist jedenfalls einer, der sich mit Leib und Seele den Cafe-Racern britischer Gesinnung und dem Stil der wilden Rock'n'Roll-Ära in den 1950er und 60er Jahre ganz und gar verschrieben hat. Sogar offensichtlich, mit Haut und Haar, denn die Tätowierung auf seinem linken Unterarm lässt keinerlei Zweifel darüber aufkommen, wes Geistes Kind er ist. Einer, der sich seine Lust am Cafe Racer stilvoll bis unter die Haut stechen lässt, macht das nicht nur aus einer Laune heraus.

Noch dazu ein Bike stimmig umbauen und sich auch den entsprechenden Leuten in tiefer Freundschaft anschließen. „Meine technischen Fähigkeiten und das Fachwissen bis hin zum Umbau dieser Maschine habe ich mir nach dem Prinzip 'Try and Error' und seit meinem 14. Lebensjahr an zahlreichen Projekten sowohl im Zwei- als auch im Vier-Rad-Bereich, auch bei US-Cars, angeeignet. Vor allem unter 'Knechtung' sämtlicher Freunde,“ grinst der Bayer und erzählt aus dem Werkstattkästchen: „In meinem 'normalem' Leben als simpler Verwaltungsangestellter bei einer großen Krankenkasse hier in München wäre das auch gar nicht anders möglich gewesen.“

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Bildergalerie BMW R75/6 Cafe Racer

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Umso mehr Geschichten und Anekdoten ranken sich um diesen BMW Cafe-Racer des Mannes, der auf dem starken Freundeskreis des „Bad Seed CMC - Classic Motorcycle Club“ als treues Mitglied vertrauen kann. „Wir sind zwar hier in München mit nur drei oder vier Leuten als ganz kleine Szene im deutschen Teil dieses internationalen Clubs dabei, aber der Zusammenhalt ist eh nicht lokal gebunden. Gerade wird ganz groß über unser 20-jähriges Jubiläum im Dynamite-Magazine hier in Deutschland in der Ausgabe Nummer 5 berichtet,“ weist Chris nicht ohne Stolz auf seine Zugehörigkeit zum Club hin, der sich ganz und gar dem Kult um den englischen Cafe-Racer herum verschrieben hat: „Norton, Laverda, BSA, Triumph oder BMW, es gilt der Grundsatz: Fette Maschinen, die nach Sprit und Öl riechen und für die Straße gebaut sind.“

Echte Maschinen für echte Männer
„Bei mir begann auch nicht erst alles mit dieser BMW, denn bereits mein allererstes Motorrad war ein Modell dieser Art.“ Die aktuelle Version erstand der 'Fourty-Something' im Jahr 2009 und „war nur hier und da etwas verbastelt, aber nichts Wildes. Der Aufbau erfolgte auch immer nur stufenweise weiter, nachdem ich zu Beginn mit der Ur-Maschine erstmal den Ace-Run zum Ace Cafe nach London und runter nach Brighton mitgemacht hatte.“ Klar, da packte es den Chris unmittelbar und sofort, solch eine charismatische Maschine auch mal zu besitzen, mit den eigenen Händen geschaffen, nach dem eigenen Gusto und ganz im klassischen Stil der englischen Rockers.

Take a ride with the Rockers
Der Weg dorthin war ereignisreich, steinig, aber auch vom Kennenlernen vieler interessanter Leute geprägt – und dauerte für einen Cafe Racer dieser imposanten Art doch vergleichsweise nicht allzu lang: „Dieses Bike wurde in Ermangelung einer Werkstatt ausschließlich und abwechselnd im heimatlichen Keller und in einer angemieteten Tiefgarage gebaut und fertiggestellt. Die Bauzeit, mit wichtigen Unterbrechungen wie das Glemseck 101, Fahrt zum Ace Cafe London auch in 2010 und einem ausführlichen Streit mit dem Hausmeister der Tiefgarage, betrug ungefähr zwei Jahre. So, wie das Krad jetzt hier steht, bin ich voll und ganz zufrieden damit. Jetzt ist eigentlich alles so, wie ich es mir auf dem Weg dorthin gewünscht und vorgestellt habe.“

   
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Hinter jedem Teil steckt eine Geschichte
Allein die Beschaffung der stilvollen Bremsanlage am sehr einzigartigen Vorderrad würde einen kleinen Roman füllen: „Das ist hier eine Doppel-Duplex-Bremse, mit Magnesium-Abdeckung, von einem Production-Racer, einer Yamaha TZ 350 mit Baujahr 1968. Im Original hat so etwas damals in Amerika um die 1.800 Dollar gekostet. Ich bin zu einem Typ Marke „Die Ludolfs“ hin, um mir möglichst ausgefallene Teile passend zum Krad zu kaufen. Das ist ein ehemaliger Meister von Zündapp, der früher selber heiße Rennen gefahren hat und heute mit gebrauchten Ersatzteilen handelt. Er besitzt eine Halle mit mindestens fünf Tonnen Kram da drin. Er meinte nur zu mir: „Eine ziemlich einzigartige Bremsanlage muss dahinten in einem der Haufen liegen. Such' mal selber danach, du findest das schon,“ traute er mir zu.“ Chris zog aus einem riesigen Schrotthaufen die uralte und wertvolle Bremsanlage, die er dann selber aufwändig restaurierte und wieder instand setzte. „Das Ganze hat mich gerade mal 300 Euro an Material gekostet.“

30 Liter Tank aus den 80er Jahren
Der Münchner bastelt halt gerne selbst rum, wie er sagt, eben ein passender Ausgleich für seine Schreibtischtätigkeit. Die Konsole für die Instrumente hat er quasi selber gedrechselt, einen Smiths Speedometer und einen Koso-Drehzahlmesser eingepasst, klassisch montiert an einem Lenker mit edlen Magura-Lenkerstummeln dran: „Das war einer der beiden letzten Sätze aus Baujahr 1985 mit 35 mm Durchmesser, die WÜDO in Dortmund noch als Restbestände da liegen hatte.“ Getoppt wird die hochwertige und handliche Einheit mit transluzenten Ariete-Griffen. Mit Glück auf! kam er auch zu dem 30-L-Tank der Firma Heinrich: „Die existierten nur bis Anfang der 1980er Jahre, hab eineinhalb Jahre lang genau danach gesucht.“ Nach einer ausgiebigen Hochglanz-Polierung fügte er dem Ensemble einen Monza-Flip-Tankdeckel hinzu und fand dann auch noch in den Weiten des Internets den formvollendeten Auspuff in der Ausführung einer Norton Commando Replica.

Die Sitzbank aus Aluminium baute der Münchner selbst passend zur Bajuwarischen, aus einem Roh-Teil der Frankfurter 'Blechmanufaktur', nagelte sich ein Sitzpolster in Eigenarbeit da drauf und besorgte sich stilecht zum klassischen Heck die Hagan-Classic-Stoßdämpfer aus Großbritannien dazu. Markante Metallteile wie die Fußrastenanlage von Raask setzen dem Ganzen die auf Hochglanz polierte Krone auf. Gerne adelig sprechen würde das germanische Kraftrad in englischer Cafe-Racer-Manier sicherlich auch die Queen, so sie Zugang zu dieser Kreation hätte. So stilvoll auf den Punkt gebracht reicht aber auch ein bewunderndes Kopfnicken der Mannen des Bad Seed CMC. Und all derjenigen, die dieses Krad in Augenschein nehmen dürfen. Überall, wo Chris mit diesem BMW-Cafe-Racer auftaucht, verbeugt sich huldigend das gesamte fahrende und Fuß-Volk. Auf den diesjährigen BMW Motorrad Days in Garmisch Partenkirchen war er unangefochten der Kult-Star in der Menge der Marken-Fans.

 

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Details zum BMW R75/6 Cafe Racer
 

Modell: BMW R75/6
Baujahr: 1975
Erbauer: Christian Wiesnet
Besitzer: Christian Wiesnet


MOTOR
Modifikationen: Big Bore Satz 1000cc, "scharfe" Nocke, Bleifrei-Umbau, Edelstahl-Ventile, Polierte Ansaugkanäle, Dell Òrto Vergaser mit offenen Ansaugtrichtern
Elektrik: Modifiziert, kontaktlose Zündung Luftfilter: Verloren gegangen in den Weiten des Schrauberkellers. Leistung: circa 70 – 75 PS, eher 75 PS, Gewicht: bei circa 230 kg leer

REIFEN/RÄDER/GRÖSSEN
Reifengrößen dem Original entsprechend
Felge vorne: DID (Alu/poliert)
Felge hinten: Morad (Alu/poliert)
Reifen: Bridgestone BT 45 vorne/hinten

RAHMEN
Original BMW R75/6

FRONT
Gabel: BMW R75/5 (Modifiziert)
Gabelbrücken: Original
Lenker: Magura Clip-Ons (Restlagerbestand aus den 70ern von WÜDO, Dortmund)
Griffe: Ariete aus Frankreich, transluzente Ausführung (Licht-durchscheinend)
Instrumente: Smiths Speedometer (Nachbau, mechanisch), DZM Koso (Elektronisch)
Tank/Cover: Stahlblech/hochglanzpoliert, Firma Heinrich
Scheinwerfer: Lucas (Norton/Replika)
Lampenhalter: Louis/Hamburg, modifiziert
Fender: vorne: Eigenbau/Alu, hinten: original, gekürzt.
Armaturen: Gehäuse Eigenbau/Edelstahl geprägt

LACKIERUNG
Rahmen in Originallackierung von BMW 1975/tiefschwarz

SONSTIGES
Beston-Griffe in Braun/transluzent, Griffarmaturen von Lucas, Magura, Flip-Tankdeckel mit Eigenbau-Adapter, Alles was zum Polieren ging(Kein Chrom!), Zündschloss im Lufi-Kasten.


Text: Welte
Fotos:
Welte

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BMW R75/6 Café Racer
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