10 000 PS und nur eine V-Max. Yamaha stellt alles in den Schatten.
Yamaha V-MAX Präsentation
10 000 PS
Motorradpräsentation
Der eigentliche Mittelpunkt.
10 000 PS bei einer Motorradpräsentation erlebt man nicht oft. Selbst
bei dreißig 1000er Supersportlern kommt man bei weitem nicht auf diese
irrsinnige Leistung. Doch um die epochale Kraft der neuen Yamaha V-MAX
zu demonstrieren, sprengten die Veranstalter jeden bisher bekannten
Rahmen und riskierten damit, daß der Mittelpunkt zur Nebensache wurde.
Schon alleine Rossis Schirmdame, die den Dottore vor jedem MotoGP Lauf
vor dem vorzeitigen Sonnenbrand schützt, hätte gereicht, um die "New
V-Max" zum zweitwichtigsten Objekt dieses Abends zu
degradieren.
Sie ging trotzdem nicht unter. Zu mächtig ihr äußeres Erscheinungsbild,
zu erschreckend die inneren Kräfte von 200 PS und fast 170 Nm. Für die
kommenden Jahrzehnte.
Spanische Kunstfliegerstaffel. Präziser Wahnsinn in
3-D.
Alles in Ordnung. DB-Killer und Fallschirm noch drinnen.
Zunächst hatte alles unspektakulär und ohne Erwartung von viel Action
begonnen. Ankunft in Madrid, statt - wie von mir wieder einmal
fälschlicherweise angenommen - in Mailand. Nach kurzer Erholung und
einem gefühlten halben Liter Campari, mußten wir im nicht gelüfteten,
aufgeheizten Kleinbus 105 Kilometer nördlich nach Santo Tomé
zurücklegen. Inmitten einer saftigen Wiesenlandschaft, die eher an
Schottland erinnerte, war ein hunderte Meter langes Asphaltband
aufgezogen, das für gewöhnlich offenbar als Flugplatz diente. Hier wurde
eindeutig ein Motorrad präsentiert, das eines am besten kann: Geradeaus
fahren. Was kann es Schöneres geben? Schließlich heißt es "Volle Kraft
voraus" und die neue V-Max scheint die Motorradwerdung dieses Kommandos
zu sein. Nur, wo ist sie?
Als erstes fällt unser Blick auf eine
Blechwanne mit viel Eis und noch mehr Coronas, in Spanien Coronitas,
sowie Flaschen des einzig echten Racing-Biers Budweiser. Nach dem
Dampfbad war der Durst groß und heute würden wir sowieso nicht mehr auf
dem Motorrad sitzen. Mit der Flasche in der Hand geht es zu den
furchteinflößenden "Funnycars", die gar nicht funny rüberkommen. Ein auf
3000 PS hochgezüchteter V8 Reaktor im einen, eine 6000 PS
Flugzeugturbine im anderen. Nach kurzem Staunen wird der Reaktor zum
Testlauf hochgefahren, alle Mechaniker tragen Gasmasken und schweren
Gehörschutz. Schon gegen die brutale Geräuschkulisse bei
Leerlaufdrehzahl wirkt die Formel 1 wie ein Slotcar-Rennen in einem
wiener Gemeindebau Keller, aber das metallische Gebrüll bei den
Gasstößen waren das Lauteste, was ich jemals über meinen Körper ergehen
lassen mußte. Über den Körper deshalb, weil ab einer gewissen Lautstärke
der gesamte Organismus in Mitleidenschaft gezogen wird, das Bauchfell
ebenso belastet wird, wie das Trommelfell.
Gleich wird gestartet, schnell noch ein Bier holen. Das
unfunny Funnycar wärmt die Reifen mit einem 100 Meter Burnout auf. Das
kam etwas unvermittelt, ich höre Gesang. Wenn das nochmal passiert, höre
ich nie wieder welchen. Also Kamera auf den Boden gestellt und die Ohren
mit den Handflächen abgedeckt. Die schöne Patricia schwenkt die karierte
Flagge und endlich wird es richtig schlimm. Die Welt besteht für einen
Augenblick wirklich nur mehr aus Schall und Rauch, beides in höchst
ungesundem Ausmaß. Als die Sicht wieder klarer wird, sieht man im Nebel
schon die entscheidenden Zahlen leuchten: 3,8 sec. 267 km/h Die Augen
brennen, aber sehen richtig. Jetzt eine Zigarette.
Ein (un)glücklicher Gewinner durfte am Beifahrersitz Platz nehmen.
6000 PS aus einer Flugzeugturbine. Ideal gegen
Drängler.
Einziger Beifahrer, der nicht nörgelt.
Hätte eine Fahrt im Turbinenauto gewonnen, zog aber zurück, weil er
schwer verletzt war (siehe Mittelfinger.)
V-Max
Präsentation Video
Wenn Superlative übertroffen werden. Zum
Beispiel wissen wir jetzt, was wirklich laut ist, wie
Beschleunigung aussieht und was Sparsamkeit bedeutet. Mit dem
Dragster ist man alle Benzinpreissorgen los. Fährt mit Methanol
und braucht nur 30 Liter - auf 400 Meter.
Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der
rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".
Schnitt: Volli
Videodreh: kot
Patricia hält Rossi die Stange. Die des Schirms.
"Rossi ist sehr nett, normal und witzig.
Edwards ist ein Ungustl, redet nix und versteht keinen Spaß." Studiert
Flugtechnik, also uuuuur g'scheit.
Soviel zum schwächeren der beiden Autos, es folgte
der Start des Turbinengefährts mit doppelt soviel PS. Links der Fahrer, rechts ein
glücklicher Gewinner mit niedrigem Puls und normalem Stresslevel, in der
Mitte die Turbine im Käfig, damit es niemanden hineinsaugt. Ein Burnout
macht hier keinen Sinn, weil die Turbine brennt. Es wird heiß in den
Gesichtern, denn wir sitzen nicht mehr als 10 Meter vom Flammenwerfer
entfernt. Es hat zwar geschätzte tausend Grad, dafür hört sich das Ganze
nur mehr wie ein großes Schweißgerät an.
Als wäre das nicht genug, hat man noch eine spanische
Kunstfliegerstaffel organisiert, um einige Male über unsere Köpfe zu
fliegen. Seid ihr jetzt völlig durchgeknallt, was will man uns damit
sagen? Vielleicht ist es all dieser Wahnsinn, der sich in der V-Max
vereint, das wäre zumindest zu wünschen. Kennt man ja vom Vollgas mit
ähnlich starken Motorrädern, wenn der Verstand keinen Halt mehr findet,
weil ihm der Vergleich fehlt. Man hätte und das doch niemals gezeigt,
wenn die V-Max und das Gefühl, mit ihr zu fahren, nicht locker dagegen
ankäme. Wir machen uns also jetzt schon auf Einiges gefaßt, obwohl nicht
zu fahren nie unterhaltsamer und aufregender war.
Wer
jetzt schon mit dem Gedanken spielt, sich eine V-Max zuzulegen, und
trotzdem nicht die Katze im Sack um weit über 20.000 Euro kaufen will,
der sollte die Intermot in Köln von 8. bis 12. Oktober 2008 nicht
verpassen. Dort wird sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich
sein. kot wird Anfang nächster Woche von den Pressekonferenz zur
Intermot über Änderungen und Neuigkeiten der diesjährigen Ausstellung
berichten.
Dirty old man macht Sascha S. ein unmoralisches
Angebot.