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Leichte Überholmanöver
Doch mit der Superduke R gingen die
Überholmanöver sehr leicht von der Hand. Ich musste keine strategischen
Überlegungen anstellen sondern ich fuhr einfach in die Kurve, fühlte ein wenig
vor, erhöhte die Schräglage und vollstreckte auf der Innenlinie. Der breite
Lenker verstärkt das direkte Handling noch einmal und so sind auch in starker
Schräglage noch kurzfristige Manöver möglich.
Die Super Duke R ist also sehr präzise und
direkt. Für eher unerfahrene Motorradfahrer vermutlich ein wenig zu direkt. Doch
ich muss sagen, dass die SuperDuke im Modelljahr 2007, also nicht nur die
R-Variante, ein wenig an Schrecken verloren hat. Die alte Super Duke forderte den
Piloten sicherlich noch mehr. Die Lastwechselreaktionen wurden deutlich reduziert und auch das Fahrverhalten
selbst ist zwar noch direkt und agil aber ohne dem leichten Hang zum Nervösen.
Walter Aigner, Pokalsammler bei
den Nakedbike Klassen von
RTS und
Berger Motorsport im Jahr 2006 zur Super Duke R kommt mit gemischten
Gefühlen von der ersten Probefahrt zurück.
Denn mit Erschrecken musste er
feststellen, dass dieses Motorrad aus der Auslage vom Fleck weg besser
funktionierte als seine Super Duke vom Vorjahr. Das wäre ja eigentlich kein Grund
für gemischte Gefühle, doch mit etwas Wehmut denkt er an viele Schrauberstunden
am Fahrwerk bis die Super Duke auch auf der Rennstrecke und nicht nur am Hausberg
siegtauglich war. Im Jahr 2007 muss er das Fahrwerk der R nur noch an seine
Reifen anpassen und will dann sofort aufs Podest.
Klar lässt es sich der Oberösterreicher
auch nicht nehmen, beim deutschen
KTM SuperDuke
Battle mit an den Start zu gehen. Bei der Rennstreckenauswahl kann ich
ihn verstehen: Assen, Nürburgring, Lausitzring, Schleiz und Oschersleben sind
sicherlich mal eine Anreise wert.
Lügen beim Journalisten-Smalltalk
Zwischen den Turns gab es den üblichen
Journalisten Small Talk. Die Frage eines Schweizer Kollegen, welcher mir bei
vergangenen Events überaus positiv in Erinnerung blieb, war heikel. "Bist Du
hier am Pannoniaring schon öfters gefahren?" Meine Eitelkeit war natürlich
stärker als mein Respekt vor dem 8. Gebot und ich antwortete mit einem "Naja.
Eigentlich nicht!". Selbst eine kurze überschlagsmäßige Rechnung brachte mich
sofort auf an die 2000 Runden. Doch es ist ja alles eine Frage der
Betrachtungsweise. Andy Meklau zum Beispiel ist hier sicherlich schon deutlich
mehr gefahren als ich. Daher hab ich gar nicht so schlimm gelogen.
Wie der Zufall so spielt taucht schon
beim nächsten Turn der Schweizer Supermoto Freak vor mir auf. Bei den bisherigen
Events waren wir es beide gewohnt, dass er einfach immer die Nase vorne hatte.
Schon sein Eintritt in meine Innenlinie machte klar, dass er die Rangordnung
auch bei diesem Event aufrechterhalten möchte. Er kam gerade recht, denn ich war
gerade dabei die Konzentration zu verlieren und gondelte ein wenig planlos in
der ungarischen Tiefebene herum.
Die Fußrasten zeichneten eine neue
"Ideallinie"
Eines war klar! Die mangelnde
Streckenkenntnis versuchte er mit mörderischem Risiko wett zu machen. Mit
Supermoto-Stiefel bewaffnet, stellte er seine KTM 950 Supermoto R (Link:
Testbericht KTM 950 Supermoto R) mit grausamen Drifts in die Ecken. Beim
Rausbeschleunigen wimmerte sein Reifen und ich unter meinem Helm. Wird er
abgehen? Wird er mich mitnehmen? Ich beobachtete das erschütternde Schauspiel
eine Runde lang. Seine Fußrasten zeichneten seine soeben neu erfundene
Ideallinie in den Asphalt und die anderen Journalisten machten viel Platz als
Sie das Duett von kratzenden Rasten und quietschenden Reifen kommen hörten. Doch
am Ende siegt dann doch Routine vor Talent. Viel Speed lassen Pannoniaring
Neulinge bei der letzten Kurve vor Start-Ziel liegen. Genau dort wurde
zugeschlagen.
Den goldenen Tipp für diese Kurve gab mir
Berzerk vom Reitwagen vor einigen Monaten. So wie ich es verstand, holt man in
der zweiten Rechtskurve etwas weiter aus, drückt das Motorrad dann kurz auf
maximale Schräglage und hat dann eigentlich fast nur noch eine Gerade mit
Vollgas bis zum Ende der Kurve. Die Gegner verzweifeln wenn man so mit 10km/h
Plus aus der Ecke schießt. Besonders gut gelingen solche Manöver mit der
Superduke. Denn nichts gelingt leichter als eine Korrektur der Schräglage mit
einem so direkten Naked-Bike.
Beim anschließenden Fachsimpeln in der
Boxengasse war mein schlechtes Gewissen aber dann doch stärker als die
Eitelkeit. Ich beichtete die 2000 Runden und er war erleichtert. Gleichzeitig
schwor er aber bittere Rache beim nächsten Event.
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