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| 1000ps.at |
Aprilia Pegaso Strada
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12.07.2006 08:54:00 |
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Die Pegaso schneidet im Sauerland wie ein Rasiermesser am fetten Thunfisch vorbei. Das Pferd ist eine Kurvensau.
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Das fliegende Pferd
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"Nimm das mal, das geht easy wie ein Fahrrad
fahrendes Lutschbonbon, aber mit quickem Jubel-Motor"
Die können mir ja viel erzählen da beim
Alle-Aprilias-Testen im Sauerland. Schließlich habe ich die schweren
Kilo-Aggregate wie die wunderschöne RSV Mille und ihre nackte Freundin
Tuono bei circa 5 Grad plus schon hinter mir, die Landstraßen-Cruiser mit
den Tuttelbären-Motoren von Guzzi ebenso, da steht sich noch der kleine
Löwenkopf unterm knapp sitzenden Lampengesicht auf seinen 17-Zoll-Felgen
mit dem strahlendblauen OZ-Design der Mille und RS 125-Feger die Pirellis
Diablo platt.
Geht doch nicht, also ran und mal laufen lassen, was die
Aprilianer da Glauben machen wollen und so locker vom Stapel lassen. Okay,
dass diese Sitzbank nur 78 Zentimeter schlanke Sitzhöhe haben soll, halte
ich noch für ein Gerücht. Für die Großen gibt's auf jeden Fall die
82-cm-Ausführung, aber erst mal aufgesessen, elektrisch gestartet und das
wunderschöne Pegaso-Logo mit kurvenreichem Straßenabschnitt als
Verheißung auf kommende Fahrten im Display betrachtet.
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Und dann los! Ab ins Kurven-Geschlängel des
Sauerländer Dickichts, die Tuono mit Patric als Buschmesser voran und
anvisiertes Ziel, das den Jagdtrieb entfacht: Muss doch zu stellen sein,
so ein fetter Twin-Motor. 660 Kubik gegen 1000er, ein Zylinder gegen zwei,
aber mit einer noch schlankeren Silhouette und dem Fliegen-Körpergewicht
der Pegaso von vollgetankt 190 Kilogramm. Potzblitz, der Vau-Zwei kann uns
nicht abhängen, das fliegende Pony geht wie ein Rasiermesser durchs
Kurvengeflecht und schwupp, sind wir dran vorbei am fetten Thunfisch.
Patric argumentiert mit unruhigem Fahrwerk, der
geflügelte Sendbote fahraktiver Geschmeidigkeiten lässt sich davon gar
nicht beeindrucken. Schließlich gibt's an Verstellmöglichkeiten gerade
mal die Federbasis und Zugstufendämpfung am Sachs-Federbein. Die kräftige
45-er Gabel gar lässt sich gar nicht manipulieren, doch das
Gesamt-Konstrukt mit dem robusten Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen bedarf
keiner weiteren Erklärung am Supermoto-Lenker über seiner
dreifach-angeklemmten Gabelbrücke: Alle Lenkimpulse werden wie gedacht in
die Tat umgesetzt, alle Brems-Impulse von der perfekten Brembo-Einheit
sicher eingehalten. Hurtig fliegst du mit dem flotten Pferdchen übers weite
Land wie die Kurvensau, die respektlos an allen über-motorisierten
Superbiklern vorbei in jede Spitzkehre vor deren Vorderrädern rein sticht
wie der gierige Schweine-Rüssel in den Trüffel.
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Blau, blau, blau blüht...
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Wir am Parkplatz vieler Blicke gewürdigt
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Einer geht noch!
Dabei wisse: Der Einzylinder stammt nicht mehr wie die drei Baureihen vor
diesem Modell seit seinem Debüt in 1990 (ehedem noch als Soft-Enduro
präsentiert) von Rotax-Bombardier aus dem Österreichischen, wie er auch
heute noch in der baugleichen, aber weitaus teureren BMW F 650 anzutreffen
ist. Das quirlige Triebwerk für die moderne Strada erstehen die
Aprilia-Mannen von den fernöstlichen Yamahanern, das aber, wen wundert's,
von Minarelli in Italien zusammengesetzt wird - und eben auch die Yamaha XT
660 und neuerdings die MT-03 antreibt. Deshalb stimmt die Zahlenangabe auf
der neuesten Pegaso mit "650" nicht mehr wirklich.
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Von Yamaha bei Minarelli gebaut
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Auch im Doppelpack auf Zack
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Dafür hören die 48 PS flüssigkeitsgekühlt bei
6250 U/min alle einzeln auf ihren Namen, bollern den Kurzhuber leichtfüßig
auf der diabolisch gripreichen 110er Bereifung vorn und 150er hinten durch
jedes noch so schroffe Straßengelände, ziehen dir zwischen 4000 und 6500
Drehzahlen emsig die Arme lang, sogar bis 175 km/h mit Rucksack-Gepäck,
mögen aber nicht so gern dösigen Zockeltrab im unteren Touren-Bereich.
Aber wer will schon dösen mit solch einem geschmeidig bedienbaren
Fünfganggetriebe und bei der derartig leichtgängigen Kupplung, die einem
im Angesicht vom emsig anreißenden Thunfisch leicht von den Fingern
flutscht?
Jagdsportbedarf
Also gut, dem Pony gehört noch mehr auf die Kauleiste gefühlt, das
Krad kommt mit in die Heimat und sogar mit den Italo-Freaks vom Desmo-Volk
auf die Rennstrecke Tor Poznan in Polen. Gerade zuhause angekommen, läutet
erst mal das Display augenscheinlich neben all den Informationen des
digitalen Zeitalters den nächsten Tankstopp dringend ein.
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Doch wo nur
befindet sich der Einfüllstutzen?
Der Ölmessstab günstig wie nie und
nirgendwo sonst direkt vorm Lenkkopf angebracht bringt da nicht die richtige
Eingebungs-Quelle. Ab zum nächsten Biker-Treff, die schönen Jungs werden's
schon herausfinden. Eine kleine Betriebsanleitungs-Bibel im geräumigen
Staufach unter der ergiebig gepolsterten Sitzbank bringt zuerst nur mehr
geistige Verwirrung. Computer-erfahrene Spiele-Freaks finden hier ein
Paradies von Einstell- und Informationsmöglichkeiten per Joystick am linken
Lenkerende: Neben dem analogen Drehzahlmesser verwandeln resche Mausklicks
das Display in Distanz-Zählwerke oder Zeitenzähler, geben Auskunft über
Betriebs-Befindlichkeiten oder aktivieren eine Wegfahrsperre (nein, bitte
jetzt nichts Falsches eingeben…) und für die Werkstatt gibt's auch noch
ein Diagnose-Menü, alles in fünf verschiedenen Landessprachen - aber wo
ist der Tank?
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Einer weiß es, drückt auf die Taste HINTER dem linken
Lenkergriff, unter der leicht zu bedienenden Fernlicht-Leuchte…
Simsalabim,
die große Klappe über dem Tank springt auf wie eine Mini-Motorhaube, den
entsprechend rot gekennzeichneten Sperrriegel entriegeln und schon offenbart
sich ein genial eingerichtetes Staufach um den Tankdeckel drum herum.
Gimmick perfekt! Nur bitte vorher die Zündung einschalten nicht vergessen!
Nachdem der Sprit endlich seinen korrekten Weg findet, brausen wir los,
böllert der gesellige Single durch die unters Heck formschön verfrachteten
Edelstahltöpfe, teilt das italienisch gestimmte Aggregat bestens gelaunt
wie im Flug die Kurvenwogen elastisch wie Jesus Brot und Fluten. Verflogen
sind alle Mühen und Lasten halsstarriger Triebwerke, sogar als Leithengst
geht der Pegaso bei den Instruktorenfahrten willig voran.
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Doch prüfe, wer sich ewig bindet
Besteht der
Single auch die Soziusfahrten auf der Rennstrecke zum Abschluss unseres
dreitägigen Renntrainings? Bernie als ellenlanger und erfahrener BoT-Fahrer
(Battle-of-Twins-Rennen in den heißen 80iger Jahren) spielt wagemutig den
Sozius und raus geht's ins Revier zum Jagen. Gibbelnd wie die Nonne im Louis
de Funes-Film mit ihm als Gendarm von Cannes und verschreckten Beifahrer im
Deux Chevaux der Gottesfrau rasen wir über die schnelle Piste, zur Gaudi
des Publikums. Selbst diesen Härtetest besteht der bello Aprilia Pegaso mit
Bravissimo. Bitte lächeln, Amico, ti amo!
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| Technische
Daten Aprilia Pegaso Strada |
| Motor |
4-Takt, Einzylinder |
| Hubraum |
659 ccm |
| Bohrung x Hub |
100 mm x 84 mm |
| Leistung |
35 kW (48 PS) bei
6.250 U/min. |
| Drehmoment |
61,3 Nm bei 3.700 U/Min |
| Kühlung |
Flüssigkeit |
| Gemischaufbereitung |
Einspritzanlage |
| Getriebe/Antrieb |
5-Gang, Kette |
| Rahmen |
Doppelschleifen-Stahl |
| Gabel |
45mm Telegabel |
| Federbein |
Sachs Monoshock |
| Reifen vo. |
3.50 x 17"
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| Reifen hi. |
4.50 x 17" |
| Bremsen vo. |
320mm
Einscheibenbremse, Vierkolbenzange |
| Bremsen hi. |
240mm
Einscheibenbremse, Zweikolbenzange |
| Radstand |
1.479 mm |
| Sitzhöhe |
780 mm |
| Gewicht (vollgetankt) |
191 kg |
| Tankinhalt ca. |
16 Liter |
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Interessante Links:
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Text: Welte
Fotos: Welte und noch wer
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