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NN: Viele Motorradfahrer sitzen auf Bikes wie ZR7,
XJR1300, Bandit, Hornet, SV650 usw. Wie stellt man ein Fahrwerk auf
solchen Radln ein?
GH: Bei vielen Motorrädern in dieser Klasse gibt es wenig bis
keine Abstimmungsmöglichkeiten. Wenn vorhanden sind diese auch sehr
begrenzt. Man werfe einen Blich auf diese SV hier...Man muss kein
Profi sein um zu erkennen das die Grenzen des Fahrwerks bei forcierter
Fahrweise rasch erreicht werden. |
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NN: Wie merkt man wenn die Grenzen des Fahrwerks
erreicht sind?
GH: Das merkt man dann relativ rasch beim Anbremsen. Das Gefühl
fürs Vorderrad ist schlecht und es ist kein stabiles Fahrverhalten
mehr gegeben. |
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NN: Welche günstigen Möglichkeiten gibt es um das
Fahrwerk solcher Bikes zu optimieren?
GH: Für fast alle gängigen Modelle gibt es einen super
funktionierenden Federnkit von Wilbers. Die Federn sind dann härter
als die originalen und passend dazu wird ein Wilbers Gabelöl in die
Gabel eingefüllt. Durch das andere Öl und die Höhe des Luftpolsters kann
man quasi die Druck- & Zugstufe "einstellen". Kosten: 99
Euro für die Federn und 13 Euro fürs Öl. Arbeitszeit fällt je nach
Modell ca. eine Stunde an. Geschickte Schrauber können die Federn mit
Hilfe der Einbauanleitung jedoch auch selbst einbaun.
NN: Kann Deine positive Meinung nur bestätigen. Habe Feedback von
4 zufriedenen 1000PSlern bekommen, die einen solchen Federnkit
eingebaut haben. Aber was kann man hinten machen?
GH: Hinten wird es leider etwas teurer. Es gibt voll verstellbare
Federbeine von Wilbers ab 432 Euro. Gemeinsam mit dem Federnkit vorne
hat man dann jedoch ein Fahrwerk mit umfassenden Einstellmöglichkeiten das
dann je nach Fahrer entsprechend angepasst werden kann. |

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NN: Neumotorräder sind ja nicht gerade billig. Wieso
muss ich dann noch in ein neues Fahrwerk investieren?
GH: Für viele Motorradfahrer reicht das Originalfahrwerk
vollkommen. Gemütlich in die Arbeit fahren, durch die Gegend gondeln
usw. Alles kein Problem. Aber wenn man dann eine recht flotte
Fahrweise einschlägt stößt man mit den Originalfahrwerken schnell
an die Grenzen. Die Fahrwerke von solchen Motorrädern sind auf die
sichere Seite hin ausgelegt. Der Fahrer kann da nicht viel falsch
machen. Möchte man jedoch das Motorrad auf der Rennstrecke bewegen
braucht man einfach einen weiteren Einstellungsbereich um das Fahrwerk
für seine Bedürfnisse anpassen zu können. |
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NN: Nasenbohrer wie ich kommen durch Glück oder Plünderung
sämtlicher Ersparnisse zu einem Supersportler wie R1, CBR, ZXR, GSXR
und Co. Da gibts ja zig Einstellmöglichkeiten. Wie geh ich da vor um
das Radl für mich abzustimmen?
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GH: OK gehen wir es Schritt am Beispiel Deiner Fireblade
durch.
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1) Zuerst drehen wir die Dämpfung der Druckstufe und
Zugstufe ganz auf. Auf heißt nach links drehen und den Schrauben des
metrischen Rechtsgewindes rausdrehen. Sowohl vorn bei der Gabel als
auch hinten beim Federbein. Somit haben wir den Einfluss der Dämpfung
abgestellt...
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2) Jetzt können wir beginnen die Balance der Federung
abzustimmen. Dazu drückt man beiden Händen das Motorrad nach unten.
Dabei sollte es vorne und hinten gleichmäßig nachgeben.
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3) Hinten sollte ein Negativfederweg von 1-2cm bei der
Sitzbank gemessen vorhanden sein. Beim Bordwerkzeug ist der
entsprechende Schlüssel dabei um die Federvorspannung einstellen zu
können. Bei der neuen Fireblade kommt man recht gut ran. Bei einigen
Bikes kann diese Arbeit recht mühsam werden.
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4) Vorne sollte man die Federvorspannung so wählen,
dass der Federweg mit Fahrer im Stillstand 2/3 vom Gesamtfederweg
entspricht. Man merkt schon dass es nun schwierig wird. Sowohl Balance
im Punkt 2, Negativfederweg in Punkt 3 und jetzt noch die korrekte
Vorspannung vorne muss man auf einen gemeinsamen Nenner bringen.
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| Ohne Fahrer |
Einstellen |
Mit Fahrer |
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5) Am schwierigsten ist die Einstellung der Druckstufe.
Für Laien ist es oft sehr schwierig zu erkennen ob die
Federvorspannung zu hoch, oder die Druckstufe zu hart ist. Zu Beginn
eher mit weniger Dämpfung beginnen die Dämpfung dann weiter zu
schrauben. Das Motorrad sollte zügig jedoch spürbar gedämpft
einfedern können.
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6) Die Zugstufe sollte folgendermaßen gewählt werden:
Das Motorrad wird an der Sitzbank nach unten gedrückt. Dann wir die
Sitzbank ausgelassen. Ca. 1 Sekunde sollte der Vorgang des
"Rückfederns" dauern. Geht es zu schnell ist die Zugstufe
zu weit offen, geht es zu langsam ist die Zugstufe zu weit
geschlossen.
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GH: Wichtig! Auf der Rennstrecke erreichen die
Federelemente wesentlich höhere Temperaturen als im Alltagsgebrauch.
Durch die Hitze wird das Öl in den Elementen dünnflüssiger und
somit lassen Zug- und Druckdämpfung nach. Sprich: Auf der Rennstrecke
muss ein härteres Setup als im Normalbetrieb gefunden werden.
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NM: Jetzt kommt schon langsam Licht ins Dunkel. Was sind
denn die häufigsten Fehler die Laien beim Fahrwerkseinstellen
passieren?
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GH: Anfänger denken oft "Je härter desto
besser" und drehen Zugstufe und Druckstufe ganz rein. Das ist
natürlich nicht richtig und kann sogar gefährlich werden. Außerdem
muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Federvorspannung nicht
zu hart gewählt wird. Ein Negativfederweg muss unbedingt vorhanden
sein.
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NM: Wo liegen die Grenzen von den Serienfahrwerken der
Supersportlern?
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GH: Für den Straßenbetrieb sind 90% der
Serienfahrwerke vollkommen ausreichend. Bei halbwegs beherzten Einsatz
auf der Rennstrecke werden aber auch hier die Grenzen relativ schnell
deutlich. Der Verstellbereich ist für die Rennstrecke einfach zu
kleine. Ausnahme: Rennfertige Serienmaschinen wie die R7 haben schon
teure Racing-Fahrwerke eingebaut.
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NM: Was gibt es jetzt für Möglichkeiten das Fahrwerk
von Supersportlern zu optimieren wenn ich am Ring in schnelle Regionen
vorstoßen möchte?
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GH: Voll einstellbare Wilbers Federbeine gibt es ab 639
Euro. Für die Gabel gibt es ein Packet um 360 Euro bei welchem nur
die "Innerein" getauscht werden. Damit hat man dann aber
schon wirklich gutes Material wie z.B. die schnellen Kollegen in der
Stocksport oder Supersport Klasse. Grammer Klaus (Anm. der Redaktion:
Führender der Stocksport ÖM) fährt z.B. ein solches Packet. Hinten
ein Wilbers Federbein und vorne den besprochenen Gabelkit.
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NM: Gibt es solche Komponenten nur für Ringgeräte oder
auch für Tourenmotorräder.
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GH: Wilbers Fahrwerke gibt es auch für
Tourenmotorräder, Enduros und Supermoto-Maschinen. Sehr oft verkaufen
wir z.B. das komplette Wilbers Fahrwerk um 1287 Euro für die BMW 1150
GS.
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NM: OK. Noch eine wichtige Frage! Thema Wartung. Welche
Elemente des Fahrwerkes gehören regelmäßig gewartet?
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GH: Das Gabelöl gehört im harten Ringbetrieb nach 5
Wochenenden getauscht. Auf der Straße ca. alle 10.000km. Steht aber
ohnehin in den Bedienungsanleitungen, wird aber gerne vergessen. Ein
defekter Simmer-Ring macht sich durch Austritt von Gabelöl bemerkbar.
Dieser muss dann unbedingt getauscht werden. Ebenfalls wichtig ist
eine regelmäßige Kontrolle von Gabelkopflager und Schwingenlager.
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NM: Vielen Dank für die Infos. Ein Statement zum
Abschied?
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GH: Fahrwerks-Setup ist immer ein Kompromiss. Es gibt
kein perfektes Fahrwerk. Man muss versuchen das vorhanden Fahrwerk
optimal für seine Bedürfnisse abzustimmen.
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Ein großes
Dankeschön an Georg von der Motorbox dass er sich Zeit für uns
genommen hat.
Bei der Motorbox gibt
es natürlich wesentlich mehr Möglichkeiten und noch mehr Know-How
wie in meiner Bastelgarage ein Fahrwerk einzustellen. Zum Beispiel den
Fahrwerksprüfstand und ein Rahmenmessgerät. |
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Motorbox - Peter Horvath
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