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NastyNils: Verrate mir bitte Deine größten
Tuninggeheimnisse!
Hennes Löhr: Geheimnisse gibt es hier keine. (Hennes führt
mich durch die Werkstatt und erklärt an den Geräten die einzelnen Schritte). Es
ist einfach viel Erfahrung, viel Routine und gute Handarbeit. Wir haben hier
einfach alle Möglichkeiten und können den Motor wirklich umfassend bearbeiten.
Wir können fräsen, drehen, planen, schleifen, Kugelstrahlen, messen, prüfen. Und
wir machen nur das, was wir können und haben in diesen Bereichen eben genug
Erfahrung.
NastyNils: Wie sieht der Ablauf eines typischen
Tuningprojekts aus?
Hennes Löhr: Am Anfang steht immer ein neues
Motorradmodell. Wir müssen das Modell am Prüfstand und auch hier in der
Werkstatt komplett komplett durch und testen. Bis wir den Serienmotor verstehen,
haben wir gut und gerne 40 Prüfstandsläufe durchgemacht. Danach beginnen wir mit
unserem Standardprogramm und testen immer wieder wie der Motor auf die einzelnen
Schritte reagiert. Quetschkante ändern, Ansaugkanäle polieren und mit einer
definierten Rauigkeit versehen, Zylinderkopf planen usw. Am Ende haben wir in
dieses eine Projekt richtig viel Zeit investiert und haben aber auch ein richtig
gutes Ergebnis. Dieser eine Motor wäre dann natürlich so nicht zu verkaufen –
viel zu teuer. Aber wir haben uns spezialisiert und bieten eben nur
Motorentuning an und auch hier eben wieder nur für die japanischen Vierzylinder,
MV Agusta und die neue V4 von Aprilia. So können wir dann dieses ermittelte und
fein ausgearbeitete Standardpaket unter Berücksichtigung der Serienstreuung
immer und immer wieder anbieten und leistbar verkaufen.
200 Motoren pro Jahr
NastyNils: Wie viele Motoren pro Jahr verlassen eure
Tuningschmiede?
Hennes Löhr: Wir liefern ca. 200 Motoren pro Jahr aus.
Teilweise kaufen die Kunden bei uns gleich ein neues Motorrad und wir liefern
das fertig aufgebaut und mit 2 Jahren Garantie aus. Wir verkaufen übrigens nur
Motorräder INKLUSIVE Tuningpaket. Serienmotorräder sollen die Motorradfahrer
beim Händler kaufen. Doch die Garantie geben wir
auf alle unsere Tuningprojekte, es sei den der Kunde möchte bewusst die von uns
definierten Leistungsgrenzen überschreiten. Dann machen wir ihm auch das, aber
eben auf sein Risiko.
NastyNils: Welches Motorrad bietet das beste Preis /
Leistungsverhältnis – im wörtlichen Sinn?
Hennes Löhr: Im Moment bestimmt die Hayabusa oder die
B-King. Das Serienmotorrad ist nicht allzu teuer und ein Tuningkit kostet 3.000 Euro.
Am Ende hat man dann ein 210 PS
Gerät in der Garage. Bei den 600ern oder 1000ern schenken sich die Japaner
untereinander fast nichts. Bei den 600ern ist die Suzuki ein wenig schwächer,
dafür war die 1000er in den letzten Jahren immer ein ganz beliebtes und auch
dankbares Tuningmotorrad. Großes Interesse verspüren wir aber auch meine
Händlerkollegen heuer nach der CBR 1000 RR. Etwas schwierig ist es im Moment mit
der Aprilia RSV 4. Da erreichten die ersten Modelle welche wir aber auch die
Journalisten zu testen bekamen, die angegebenen Leistungswerte. Zuletzt hatten
wir hier aber Motorräder, welche doch deutlich unter den Leistungsangaben vom
Hersteller lagen. Da hab ich dann natürlich Erklärungsbedarf, wenn der Kunde
hier ein Tuningpaket von mir verkauft bekommt und die Maschine dann gerade mal
die Werksangabe auf den Prüfstand drückt.
NastyNils: Dein Job wird vermutlich nicht leichter, da es
ja immer schwieriger wird Leistung aus den Motoren zu holen?
Testläufe auf der Autobahn! Vollgas nach Köln!
Hennes Löhr: Im Gegenteil! Die Motorräder sind zwar heute
auf einem sehr hohen Niveau, dafür haben wir auch wesentlich mehr Möglichkeiten
und die Motoren sind deutlich haltbarer. Zu unseren Anfängen hatten wir noch
keinen Prüfstand und zum Testen musste ich flach am Tank liegend immer und immer
wieder die Autobahn nach Köln runter rasen. Beim Tuning konnte man den alten
Motoren dann zwar viel Leistung rausholen, aber die waren thermisch sofort am
Limit. Die neuen Motoren sind thermisch gesund und selbst mit unserem
Tuningpaket können wir immer noch bedenkenlos 2 Jahre Garantie dazugeben.
Der Tuner wünscht sich mehr Komfort und besseres Design!
NastyNils: Was würdest Du Dir für Verbesserungen an der
aktuellen Modellpalette der Hersteller wünschen?
Hennes Löhr: Also ich würde mir ein schöneres Design und
mehr Komfort bzw. Vielseitigkeit wünschen. Nimm zum Beispiel die MV Agusta. Die
gibt es mit diesem Design schon seit Jahren unverändert und ist immer noch ein
geiles Motorrad wo jeder hinguckt. Die Japaner bauen alle 2 Jahre neue
Motorräder und trotzdem erreichen Sie niemals das Niveau der MV – rein optisch
natürlich! Oder beim Thema Komfort! Die aktuellen Supersportler machen auf der
Strasse nicht mehr richtig Spaß. Ich würde mir einen tollen Tourensportler
wünschen der Komfort bietet, aber auch richtig gut geht. Das darf auch was
kosten! Fußrasten für Fahrer und Beifahrer, Lenker und alle Bedienelemente
sollten einstellbar sein, damit ich mir das Motorrad richtig gut auf meine
Bedürfnisse anpassen kann. Ich denke es gibt viele Kunden die gerne mit Sozia
sportlich, schick UND komfortabel unterwegs sein möchten.
NastyNils: Wie geht es mit dem Unternehmen weiter? Gibt es
schon einen Nachfolger?
Hennes Löhr: Da hab ich noch genug Zeit um darüber
nachzudenken, aber der Sohn ist 29 und engagiert sich schon im Betrieb und auch
die Tochter studiert Maschinenbau – da wird schon was nachkommen. |