Tourist Trophy! Echte Bikes im Wohnzimmer erleben. Angstschweiß und Angstreifen inklusive! Für 1000ps fährt derGlu nach Valencia zur Präsentation von „Tourist Trophy“, dem „real riding simulator“ für die Sony Playstation 2 und lässt sich vom
Reitwagen schwer richten.
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Ich zittere. BravoMaxa vom Reitwagen schaut lächelnd zu
mir hinüber. Wir sitzen auf gleichem Gerät. Schwarze 600er CBRs.
Nigelnagelneu. Am Ende der Boxenstraße war ich schon hinter BravoMaxa. Was
sich in den nächsten Runden abspielte, kann sich niemand vorstellen.
Pro Runde brannte mir der Reitwagen-Schreiberling sicher
eine halbe Minute auf den Pelz. Bevor er mich überrunden konnte, schwindelte
ich mich in die Box und zündete mir erst einmal eine Zigarette an. Maxas
Kniepads rauchten förmlich mit. Meine sehen nach 3 Jahren immer noch wie neu
aus – sieht man von ein paar Stürzen ab, bei welchen ich am Schleifer
landete und auf ihm rutschend meinen Weg in die Botanik suchte.
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„Geh, Burli, des wird nix. Kauf dir ein Comic-Heftl,
wennst willst, aber lass das Motorrad fahren. Tu dir nicht weh!“, sagte
BravoMaxa noch aufmunternd. Na gut, auf einem Eisen war gegen Maxa kein
Kraut gewachsen. Aber so schnell gebe ich nicht auf.
Der Grund, warum wir uns in Valencia am Ring trafen, war
ja nicht, dass mich die Reitwagen-Redaktion wegen meiner großen Pappen
einstampfen wollte (Warum eigentlich nicht? Anm. d. Lektorin). Sony
präsentierte das neue Spiel „Tourist Trophy“ für die Playstation 2.
Polyphony digital legte sich schwer ins Zeug und programmierte nach dem
Kassenschlager „Gran Tourismo“ ein ähnliches Spiel, nur halt mit
Motorrädern.
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Also sah ich meine Chance darin, BravoMaxa auf der PS2
zu fordern. „Jetzt legst die Ohren an, Maxa!“, stichelte ich noch. Was ich
nicht wusste, Herr von Maxa verbringt seine reichliche Freizeit damit,
Playstation zu spielen. Ich hingegen kann ja nicht einmal gescheit mit einem
Taschenrechner umgehen. Aber da war es schon zu spät. Wir warfen uns vor
zwei Konsolen. Im Arcade-Modus legten wir los, weil man so gleich ins Spiel
einsteigen kann. Man wählt ein Motorrad, dazu die Lederkombi, die Strecke
und los geht es.
Wir entschieden uns für den Ring von Valencia. Als Eisen
musste eine 636er Kawa herhalten. BravoMaxa konnte seine „Grüne“ weit
früher als ich schrotten. Weil er mich sogar auf der Playstation bei der
Start-Ziel-Geraden stehen ließ. Dabei braucht man da echt nur Gas geben.
Aber den ersten Bremspunkt hat er dann verschlafen. Er wirft noch energisch
den Anker, legt um, ohne es dabei an Körpereinsatz fehlen zu lassen, und
verformt kalt.
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Ich legte mich alsbaldigst zu ihm. Vor lauter Zuschauen,
wie er sein Eisen in der ersten Kurve wegwarf, bin ich natürlich gleich
gerade aus gefahren. BravoMaxa hatte den Dreh aber bald heraußen und nahm
mir pro Runde über eine Minute ab. „Ruf mich an, wenn du Valencia einmal
unter zwei Minuten schaffst!“ lachte er mich an. „Na gut, gib mir deine
Telefonnummer.“, nahm ich die Herausforderung an. „Die wirst net brauchen.“,
sagte er, legte den Controller weg, streichelte mir wie ein Vater über den
Kopf und zog von dannen.
Ich legte mir daheim natürlich sofort eine PS2 zu und
seit 31. Mai, seit es das Spiel im Handel gibt, übe ich jede freie Minute.
Jetzt spiele ich nicht nur mehr im Arcade-Modus, sondern bin auch in die
richtige Rennserie eingestiegen. Dafür braucht man erst jede Menge
Rennlizenzen. Das hat den Grund, dass man durch gezielte Übungen, wie etwa
Zielbremsungen oder Kurvenfahrten, lernt, den Controller richtig zu
bedienen. Nach dem Erwerb der Lizenzen kann man richtige Rennen fahren.
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Um das Spiel so nah wie möglich an der Realität spielen zu können, gibt es
unzählige Einstellungen, die man vornehmen kann. Körpergröße, Gewicht,
Abspreizwinkel des Knies – um nur einige der Eingabe-Optionen für den Fahrer
zu erwähnen.
Die Motorräder sind für das Spiel genauestens vermessen
worden. Damit eine 636er Kawa auch wie eine klingt und die Yamaha R6 sich
auch wirklich anhört wie eine Waschmaschine, hat man jedes der weit über 100
Motorräder eigens aufgenommen. Wenn man den Fahrtwind und die übrigen
Kräfte, die auf einen wirken, wenn man Motorrad fährt, vernachlässigt, dann
kann man mit der PS2 und Tourist Trophy Motorräder testen, die man im echten
Leben nie in die Hand bekommen würde. Das Fahrverhalten jedes Motorrades ist
perfekt simuliert – egal ob SuMo, Roller, 2-Takter oder Renn-Replica.
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Ein wenig schade ist allerdings, dass die Strecke der
Tourist Trophy, die dem Spiel den Namen gab, fehlt. Ist aber halb so wild,
denn selbst nach unzähligen Stunden mit dem Spiel hab ich es noch nicht
geschafft, jede Strecke zumindest einmal zu fahren.
Die Rennstrecken, wie etwa Valencia, sind dabei so gut
wiedergegeben, dass man mit dem Spiel fürs echte Leben trainieren kann. So
ist man in der Lage, sich im Spiel die Bremspunkte, die Strecke und sogar
Bodenwellen so zu verinnerlichen, dass man am Ring echte Vorteile hat und
dadurch seine Rundenzeiten verbessern kann. Und nein, der Pann und Brünn
sind nicht im Spiel enthalten.
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Trotz der vielen Arbeit, das Spiel so realitätsnah wie
möglich zu programmieren, vergaß man bei „Polyphony digital“ aber nicht
darauf, mit einer Grafik aufzuwarten, die genial ist. Wer jemand anderem
beim Spielen zuschaut, könnte meinen, er schaue sich ein ganz normales
Rennen an. Außer der Spieler ist ein Nudler wie ich.
Ich freu mich ja über die geilen Music-Tracks, die im
Hintergrund laufen, während ich versuche in Valencia endlich eine Zeit unter
zwei Minuten zusammen zu bringen. Bis heute war es kein Problem, dass ich
von BravoMaxa keine Telefonnummer habe. Aber mein Psychologe meinte
sowieso, ich sollte die Reitwagen-Leute jetzt ein paar Jahre lang nimmer
treffen. Oder ich kauf mir eine Dauerkarte für das weiche Ordinationssofa. |
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